„Diese Parias,“ sagt unser Schriftsteller — „von denen man nicht weiß, woher sie kommen, noch wohin sie gehen, ohne eine Familie, die sie anerkennt, ohne einen Stand, den sie zu gestehen wagen, frei von allen Pflichten — besitzen nur so viel Erde, als die Blumenvasen ihrer Salons enthalten, und leben wie Paschas. Wie wunderbar und doch so gewöhnlich! Aehnlich den Lilien, von denen die Bibel spricht, arbeiten sie nicht und spinnen auch nicht, und dennoch bietet manchmal ihr Luxus den Herrlichkeiten der Prinzen Trotz..... Verfolgt sie bis zu ihrem Ursprunge, diese Bäche mit unverschämtem Rauschen, mit den golden schimmernden Wellen, wie der Pactol, ihr werdet unfehlbar an eine unreine Quelle kommen... u. s. w.“
Ohne die Dame, von der wir sprechen, in die höchste Klasse dieser Existenzen zu rangiren, ohne sie zu den weiblichen Industrierittern par excellence zählen zu wollen, müssen wir von ihr doch sagen, daß es ihr an nichts fehlte — um stets vor der Welt in einer reizenden Hülle erscheinen und Dummköpfe verdrehen zu können... Ihre Begleiterinnen und die Alte, welche sich als ihre Mutter gerirte, (man kennt diesen Posten!) waren natürlich ihres Gleichen.
„Meine Freunde und Freundinnen, machen Sie sich es bei mir so bequem als möglich...!“ fing Fräulein Nina an die Frau vom Hause zu spielen — nachdem Alles eingetreten war und Platz genommen hatte — — „und um Ihnen mit gutem Beispiele vorauszugehen, will ich selbst den Anfang machen....“ Sie trat in ihr zweites Zimmer, blieb daselbst einige Minuten lang, und erschien sodann — vollständig metamorphosirt bei der Gesellschaft.... so daß Althing nicht umhin konnte, einen Ruf der Ueberraschung auszustoßen....
Seine Dame hatte ihr Costume so weit abgeworfen, daß das jetzige sehr stark an jenes von Adam und Eva erinnerte: sie trug über ihren ursprünglichen Reizen weiter nichts, als einen Unterrock und eine Art Camisol aus Mousselin, welches im Winde flatterte, offen wie eine Flagge. — Sogleich eilten auch die andern Damenschaften in das Kabinet und erschienen nach einer gleichen Zeit in einem überraschend ähnlichen Anzuge.... Dieses Intervall, so klein es war, hatte der verliebte Ritter gewandt zu benutzen gewußt; er hatte seine Dame zu sich auf den Schoß gezogen — ihr einige Dutzend Schwüre ertheilt und abgenommen — auch etwelche Küsse und andere Zärtlichkeiten.
„Aber wer wird nach dem Gasthause gehen, um das Nöthige herbeizuschaffen?“ frugen die Damen, kaum daß sie zurückkehrten....
„Die Sache ist sehr einfach,“ erwiderte Nina...: „meine Mutter wird so gut sein und den Aufwärter aus der Stadt Neapel herbescheiden — — den hübschen Joseph.... bei dem mein Freund Achilles.... so heißt Du doch, nicht wahr...?“
„Achilles — ganz recht, meine Geliebte!“ versetzte Althing und klirrte mit seinen Sporren....
„Nun, bei ihm kannst Du sodann Alles bestellen, was wir brauchen... Habe ich nicht Recht, theurer Achilles?“
„Vollkommen, vollkommen!“ lächelte der Dicke — der sich mit diesem Namen, den er so eben erst angenommen hatte, sehr zu gefallen schien...
Ohne Säumen begab sich die ehrwürdige Mutter des Fräuleins, so wie sie da stand — nach dem Gasthause zur „Stadt Neapel“... Sie mochte ähnliche Wege schon oft in solchem Costume gemacht haben....