Während ihrer Abwesenheit unterhielt man sich über Verschiedenes... was aber nicht ganz nach Althings Geschmacke war, denn er wollte sich blos mit Einem beschäftigen. Er hielt seine Angebetete noch immer auf dem Schoße und schwitzte dicke Tropfen unter der Anstrengung, die es ihm verursachte, nebenbei noch gegen die Uebrigen den Liebenswürdigen zu spielen... Indeß war er darüber nicht böse, denn er zeigte sich gerne gewandt in den Künsten der Galanterie, welche ja sämmtlich in sein Fach einschlugen.
Der schöne Joseph und die alte Vettel erschienen bald im Zimmer. Der erstere brachte mit der Karte jene ungeheure Aufmerksamkeit der Wiener Kellner mit, woran sich die des übrigen Deutschland ein Beispiel nehmen sollten. Nebenbei lachte der schöne Joseph zu Zeiten auf so eigenthümliche Weise — hiervon sah jedoch Althing nichts, welcher sich in die grundlosen aber auch goldhaltigen Schachten der Speisekarte vergraben hatte. — Nina aber schien diesen Blick Josephs ganz gut bemerkt zu haben und sie gab dem schönen Joseph einen bedeutsamen Wink.
In kurzer Zeit bog sich der Tisch unter einer zahlreichen Menge von Speisen und Getränken ... das Mahl begann und ward demselben, wie sich vermuthen ließ, von sämmtlichen Gästen eine gebührende Ehre angethan. Diese Damen aßen auf eine Weise — als hätten sie entweder noch niemals gegessen oder als sollten sie in Zukunft nimmer essen — und wenn man sagt, daß die Liebe den Appetit benimmt, so hatte dies Sprichwort bei Fräulein Nina total Unrecht, denn diese aß und trank allein eben so viel, wie die Andern zusammen genommen. — Bald wurden Toaste ausgebracht und von diesem Zeitpunkte an bekam Mahl wie Gesellschaft eine neue, nämlich die eigentliche Gestalt... d. h. alle Schranken fielen, welche die thörichte Sitte erschaffen hatte — wenn auch nicht zum Besten dieses Hauses. — Man fing an zu schreien, zu singen — und Althing wurde so leidenschaftlich, daß Nina, die er noch immer umherzerrte, ausrief:
„Aber haben Sie denn den — Koller!“
„Nein, meine Geliebte — sondern ich bin sterblich in Sie verliebt, ich könnte in dieser Stunde es mit einer Million Teufel aufnehmen, wenn die Sie mir entreißen wollten...“
„O, das ist nicht nöthig! Ich würde mich freiwillig für Dich entscheiden — mein holder Achill — und wären es selbst eine Million Engel. Du weißt, wie ich Dich liebe!“
„Wirklich? — Und dies scheint nicht blos Redensart? — Ach Du machst mich zum glücklichsten der Menschen.... Wie schade, daß wir hier vor Zeugen sind! Ach, wären wir allein!“
„Ja, wären wir allein!“
„O — das sollte eine Wonne sein!“ schmachtete der alte Narr und verdrehte die Augen, wie ein andächtiger Derwisch...