„Der gnädige Herr Graf macht ferner oft um Mitternacht einsame Spaziergänge in den Wald — und man sieht ihn in der Morgendämmerung auf dem Heidenfelsen sitzen, wobei er wild die Augen rollt, wie zwei feurige Kugeln — mit den Armen umherficht, als kämpfte er gegen Jemand in der Luft — und dabei hört man in der Nähe ein gellendes Hohngelächter ..... selbst Feuerflammen blitzen auf und der ganze Ort hat dann einen Schwefelgeruch.“
„Gott steh’ uns bei!“ rief hier der fromme Priester und entsetzte sich so, daß er die Gans losließ, welche unter abscheulichem Geschrei auf die Erde fiel und mitten zwischen die Beine der Deputirten fuhr, daß diese, in der Meinung, es sei der Teufel selbst, von dem sie so eben sprachen — in Aufruhr geriethen — — und sammt dem Pfarrer, der so wie sie dachte, in alle Winde auseinander stoben.
Die Illusion war in der That zu stark geworden.
Tags darauf kamen sie wieder zusammen und nun wurde ausgemacht, daß Se. Hochwürden im Ornate und mit den nöthigen Requisiten versehen — auch von ihnen, den Deputirten, begleitet, dem Grafen auf einer seiner Wanderungen nachfolgen, an einem bösen Orte mit ihm zusammentreffen und ohne Rücksicht auf den unterthanlichen Respekt ihn umzingeln sollten — der Geistliche aber sollte dann zu ihm in den Kreis treten, um das heilsame Werk in aller Form zu vollbringen. —
Zum größten Mißvergnügen der braven Leute machte ihr Gebieter seit einiger Zeit seine Ausflüge nur zu Pferde, und da konnten sie auf ihren Dorfmähren ihm nicht nachsetzen; überhaupt verstand der geistliche Herr auch besser in seinem Lehnstuhle, als auf einem Pferde zu sitzen — und so mußte man denn auf ein neues Auskunftsmittel denken.
Man hatte bemerkt, daß der Graf in letzterer Zeit seine Touren weniger geheimnißvoll als sonst gemacht — auch dabei stets eine und dieselbe Richtung eingeschlagen habe, woraus man scharfsinnig schloß: er muß ein bestimmtes Ziel verfolgen. Voll von diesem fruchtbaren Gedanken — unternahmen die Teufelsaustreiber Folgendes. Zuerst versahen sie sich mit Lebensmitteln auf mehrere Tage, denn sie waren fest überzeugt, der Graf begebe sich täglich mindestens 20–30 Meilen weit, was ihm bei seinem höllischen Mittel sehr leicht fiel. Nach diesem stellten sie sich auf die Lauer und beobachteten sein Abreiten vom Schlosse; sie folgten ihm nun auf seinem Wege ungesehen nach — behielten ihn jedoch, so lange es ging, im Auge. Als sie ihn nicht mehr sahen — — hielten sie an, lagerten sich neben dem Wege im Gebüsch und warteten hier bis Morgen, wo er wieder vorbeikommen würde. Er erschien wirklich — und nun nahmen sie die gestrige Operation von Neuem vor, sie begleiteten ihn wieder auf versteckten Wegen — so lange, bis er wieder ihren Blicken entschwand ... dann blieben sie abermals stehen — und wiederholten dies geduldig, bis sie mit ihm fast zugleich an dem verhängnißvollen Orte anlangten.
Es war dies ein kleiner Weiler, drei Stunden vom Schlosse entfernt. — Die Deputation jedoch bildete sich wirklich ein, zum wenigsten zwei Tagereisen weit sich von ihren Dörfern zu befinden.
Man quartierte sich in der verlassenen Lehmhütte irgend eines Hirten ein, denn um ihrem Wahnsinn die Krone aufzusetzen, bildeten sich die braven Leute auch noch ein, äußerst ermüdet zu sein. Man wollte den nächsten Tag abwarten, heute nichts Ernstliches mehr vornehmen, sondern höchstens insgeheim Erkundigungen einziehen und das große Werk vorbereiten. Und was man in Erfahrung brachte, schien den guten Leuten schrecklich genug, um die Haare ihres Hauptes sich emporsträuben zu machen. In einem kleinen, am äußersten Ende des Weilers gelegenen Hause sollte nämlich eine Frau mit ihrer Tochter wohnen, welche die Besitzerin dieses Grundstücks war — da der Mann bereits vor längerer Zeit gestorben. Wovon diese zwei Frauen sich nährten, konnte man nie erfahren; es fehlte ihnen an nichts und — doch arbeiteten sie nicht, sondern ließen auf einem Theile ihres Ackers, für den sie keinen Pächter fanden, Gras und wildes Gesträuch wachsen. Sie pflogen mit den Dorfleuten durchaus keinen Umgang — was für die Mutter des Mädchens auch unmöglich gewesen wäre, denn sie litt an einem langwierigen Siechthum, welches man, da das so ganz in den Kram der hiesigen Einwohner paßte, dem bösen Geiste zuschrieb, der in diesem abgeschlossenen Hause sich aufhalte. Man wußte nur noch zu sagen, daß das Mädchen von ungewöhnlicher, zarter Schönheit sei, gar nicht aussehe, wie ein Bauernkind, und daß sie allemal zu gewissen Zeiten des Jahres nach dem herrschaftlichen Schlosse gehe, obgleich der Weiler nicht zu Alexanders Besitzungen gehörte. Alles das war, wie man sieht, sehr wenig in der Ordnung, sehr geheimnißvoll, und daher teufelsmäßig.
— Dieses Haus und diese Leute nun hatte der Graf seit einigen Wochen regelmäßig Tag für Tag besucht und bei ihnen oft bis zum späten Abend verweilt. Man wollte gehört haben, wie dann die „Besessene“ drinnen in der Stube — schrie, heulte und wildes Zeug trieb — während das Mädchen laut weinte — der Graf aber mit ernster und gemessener Stimme unverständliche Worte dazwischen sprach — gleichsam, als redete er mit dem Bösen in der Kranken. Oft wurde der Lärm, welchen diese machte und das mystische Zureden des Grafen so laut und eifrig, daß die ehrlichen Horcher davon liefen, fürchtend, die Alte würde noch zum Fenster herausspringen — und Unheil im Dorfe anrichten....