Alexanders Gesicht verfinsterte sich jetzt zum wilden Zorne: „Mein Herr,“ sagte er zu dem Pfarrer — „Sie sind von diesem Augenblick an Ihrer Pfründe verlustig und ich werde deshalb nach meiner Ankunft auf dem Schlosse sogleich das Nöthige verfügen... denn wie mir dieser Vorfall lehrt, so sind Sie weit eher dem Amte eines Stockmeisters oder Banditenchefs als eines Seelsorgers gewachsen... Erwarten Sie morgen meine fernere Entschließung. — Was jedoch diese Kerle dort betrifft,“ fuhr er, auf die in einiger Entfernung stehenden Bauern deutend, fort: „so sollen sie ihrer wohlverdienten Strafe nicht entgehen. Ich werde ihnen für die Zukunft die Lust benehmen, sich um den Geisteszustand ihrer Herrschaft zu bekümmern....“
Damit entfernte sich Alexander, ging nach dem Gasthause, wo sein Pferd stand, und ritt von da nach dem Schlosse zurück. —
Achtes Kapitel.
Die Verlassene.
Die Sachen in der Stadt standen indeß noch immer auf dem alten Punkte. Cölestinens Haus war nach wie vor den ausgewählteren ihrer Bekannten geöffnet — nur daß keine größeren Soirées und jours fixes mehr statt fanden. In letzterer Zeit hatte die junge Frau sich inniger als je an ihre Eltern angeschlossen; man sah sie nicht anders als in Gesellschaft ihrer Mutter. Dieselbe schien mit ihr irgend ein Geheimniß zu theilen, denn es geschah häufig, daß sich die Frauen für mehrere Stunden mit einander einschlossen, und selbst vor den Augen der Leute wechselten sie Winke, verständigten sich mit abgebrochenen, geheimnißvollen Worten, ja es geschah ein Mal, daß Cölestine die Generalin mitten aus einem Zirkel von Damen herausholte, sie, zu großer Aergerniß aller Leute vom guten Ton — aus dem Salon entführte, und mit ihr erst nach einer starken Stunde zurückkam.
„Ei!“ sagten die redlichen Freunde des Hauses: „wozu braucht es aller dieser Umstände? — Die Gräfin hätte es ihrer Mutter gleich hier sagen können — um was es sich handelt. Man ist ja von Allem auf’s Genaueste unterrichtet...“
„Natürlich! Es betrifft den geliebten Herrn von — Marsan! Was sonst?“ flüsterte eine Dame...
„O sagen Sie es nur gerade heraus, meine Liebe,“ bemerkte das Stiftsfräulein: „Wenn Sie Etwas wissen — theilen Sie uns es ohne Scheu mit... denn wir haben bereits so viel in dieser Sache erfahren und gesehen — daß uns nichts mehr in Erstaunen setzen kann. Das Einzige blos wundert mich, daß diese junge Gräfin noch immer nicht zum Mitglied des Frauenvereins ernannt ist....“
„Sie gibt als Grund an — mit ihrem eigenen Unglück hinlänglich beschäftigt zu sein und nicht an fremde Dinge denken zu können!“