„Bei Nero! — Sie fangen zu schluchzen an — in conspectu populi, wie man sich ausdrückt. — O schändlich! — Ich wollte, daß ich diese beiden Heuchlerinnen in meinen Fußangeln hätte und daß sie Beide nur einen Hals besäßen.... Sie wissen, was ich mit demselben anfangen wollte.“

„Und dieser Labers! — Der Mann wird, nachdem man ihm die Weisheit der Braminen und die Güte des Sokrates zugeschrieben, plötzlich auf seine alten Tage ein Narr.... Er sieht den Zweien von Ferne zu und auch seine Augen befeuchten sich...“

„Der alte General hingegen scheint mir noch der Vernünftigste in dem ganzen Quartett. Das ist ein wahrer Ehrenmann! — Er würdigt die Affectation seiner Frauen keines Blickes; er bemerkt sie nicht — er geht zu einigen alten Herrn und stimmt in ihr Gelächter ein, welches wahrscheinlich irgend einer Anekdote gilt, die Graf Wollheim dort erzählt...“

„Und welche natürlich erlogen ist.... so, als hätte sie jener famöse Herr von Althing erzählt, den man seines hübschen Lebenswandels wegen in keinem Cirkel mehr duldet...“

„Der aber bis zum letzten dennoch der intime Freund von Cölestinens liebenswürdigem Bruder Edmund war...“

„An dem sich auch die Folgen dieses Umgangs bewährten — hahaha!“

„Eigentlich, meine Freundinnen — sollte dieser Fall uns aus der Familie der Randow verbannt haben...“

„Wir besuchen dieses Haus auch nur, um uns an dem immer tieferen Herabsinken desselben zu belustigen — beim Nero und Domitian!“

Die Verläumderinnen hatten sich jedoch sehr geirrt, als sie glaubten, der General sei zu jenen Herren getreten, um an ihrer Lustbarkeit theilzunehmen; der General war seit dem Unglück seines Sohnes und seiner Tochter ernst geworden, wie er es nie gewesen. Nicht daß er sich der Fassungslosigkeit und dem Schmerze seiner Gemahlin hingegeben hätte — er blieb kalt und fest bei diesem Begegniß, bei diesem Schlage seines Hauses — aber die chevalereske Heiterkeit und der männliche Frohsinn, welche ihn sonst so liebenswerth gemacht hatten, waren auf immer von ihm gewichen... und diesmal, in dieser Stunde und bei dieser Gesellschaft, hatte er am allerwenigsten Ursache, ihn zurückzurufen, denn man hatte hier so eben über Edmund gesprochen, auf welches Thema der alte Jäger den Discours gebracht, weil er da in seinem Elemente war. Wider Erwarten sah sich nun Wollheim von dem General auf die Seite gezogen und dieser redete ihn an:

„Herr Graf, wenn ich Sie bitten darf, so leiten Sie das Gespräch nie wieder so, wie es eben geschah; ich würde es sonst als eine Beleidigung, die mir selbst widerführe, aufzunehmen gezwungen sein und dieselbe mit Bedauern rächen müssen. Ohnehin gehen in der Hauptstadt hierüber die tollsten Sagen, so daß ich nicht weiß, was ich mehr bewundern soll, den Erfindungsgeist, der sie ausbrütete, oder die Leichtgläubigkeit, welche ihnen Glauben schenkt... Mein Sohn hat sich, seinen Namen und sein ganzes Haus in eine traurige Lage versetzt, dies bekenne ich mit Schmerz.... aber ich würde Niemand rathen, den bedauernswerthen Jüngling, der seine Ehre vielleicht, wie ein mißbrauchtes Mädchen ihre Tugend, durch fremde Gewaltthätigkeit verloren hat, zu verspotten... Wäre mein Sohn von Natur ehrlos und nichtswürdig, so würde ich selbst kein Wort über ihn verlieren, sondern seinen Namen mit eigener Hand aus meinem Stammbaume streichen. — So aber umhüllt noch ein schreckliches Dunkel die Umstände seines Verbrechens — ich weiß nur so viel, daß Edmund von Randow stets würdig war mein Sohn zu heißen, und bis ich ihn selbst nicht über seine That vernommen und seine Vertheidigung angehört habe — bin ich entschlossen, ihn abermals, außer vor dem Gesetze, wohin mein Arm nicht reicht, auf’s ernstlichste zu vertreten!“