„Bravo!“ schrie der Jäger, nachdem er die letzten Worte angehört hatte — und kaum sich länger zu halten im Stande war: „Bravo, alter Vater, tapferer General! — Das nenne ich gesprochen.... wie sich’s gehört — und wäre es nicht hier vor den Augen aller Leute, ich würde Ihnen, hol’ mich Dieser und Jener, nicht nur um den Hals, sondern kurzweg um die Kniee fallen. Ja — Sie haben Recht! Edmund, mein theurer Edmund, mein Jüngelchen, mein Schüler ist ein Ehrenmann. Wer etwas Anderes behauptet, dem schieße ich eine Handvoll Entenschrotte in den Bauch. Aber wie konnten Sie’s nur übel nehmen, daß ich von ihm sprach? Ich erzählte ja das Rühmlichste. Ich sprach von einem Pirschen, welches jetzt vor zwei Jahren zwischen uns stattfand und wobei Edmund, der brave Junge, mir in demselben Augenblick, als eben ein alter Petz aus dem Gesträuche auf mich herausbrach, das Leben rettete, indem er diesem dicken Petz sein Jagdmesser bis an’s Heft — ja ich glaube sogar auch noch seinen Arm mit in den Hals steckte.... worauf ich dann meinen unvergleichlichen Schüler mit 18 Kannen Dickbier regalirte — so daß er drei volle Tage weder A noch B sagen konnte — —“ hier hielt der Nimrod inne, merkend, daß er im Begriffe stehe, einen dummen Streich zu machen und Dinge — wiewohl große erhabene Dinge! — am unrechten Orte zu erzählen. —

Der General beruhigte sich seit dieser Erklärung, doch schien ihn der Nachsatz sichtbarlich zu verdrießen und sein Unmuth kehrte wieder, sich in folgenden Worten Luft machend: „Lieber Graf Wollheim, die Sachen, welche Sie da erzählen, so wie überhaupt Ihr ganzes Verhältniß zu Edmund, hat, glauben Sie mir, auch das Seinige dazu beigetragen, den jungen Menschen zu dem Punkte zu bringen, wo wir ihn jetzt mit Schmerz erblicken.... Nicht daß ich Sie nur im Mindesten beleidigen und Ihren Umgang mit Edmund in direkte Verbindung mit seinem letzten unglückseligen Streiche bringen wollte... das sei fern von mir. Jedoch unter die bösen Gewohnheiten, welche seinen Verstand und sein Gemüth befleckt und ihn zu immer traurigeren Verirrungen geführt haben.... gehörte auch die Unmäßigkeit....“

Der Jäger wollte hier lebhaft losbrechen; seine Meinung über Unmäßigkeit war eine ganz andere, als die des Generals, und er war fest überzeugt, an Edmund nur Gutes gethan, ihn, wie er sagte, „zu einem tüchtigen Kerle“ herangebildet zu haben. — Der General verhinderte indeß jede weitere Erklärung, indem er fortging und seine Schritte zu der früheren Gesellschaft lenkte, aufmerksam zuhörend, was sie sprach — eifersüchtig den Ruf seines armen Kindes bewachend. —

Mittlerweile hatte das Concert seinen Anfang genommen. Eine tiefe Stille entstand, nur zeitweise auf den entfernteren Punkten des Salons von einigen alten Frauen und einem Paar junger Leute von jener Sorte unterbrochen, die für nichts Sinn haben, außer für ihre eigenen Wichtigkeiten — — und die ein Privilegium zu besitzen glauben, überall stören, überall ihre alten Albernheiten zum tausendsten Male wiederholen, überall lachen — überall Lärm machen zu dürfen.

„Ach — welch’ ein Gesicht — das dort gegenüber von dem Cello.... sehen Sie nur, lieber Arthur!“

„Haha! — ein allerliebster Kerl!... Gewiß irgend ein großer Kunstkenner.... seine rothe Nase bezeichnet ihn als Freund der Geister...“

„Und jenes Fräulein dort weiter! Kennen Sie sie nicht? Sie scheint zum ersten Male in einer Gesellschaft, denn sie macht allen Leuten Platz, die sich ihr nähern...“

„Ach! Köstlich! Welche Bereitwilligkeit! Die trifft man heut zu Tage nicht überall....“