So ward z. B. jenen um das Seelenheil ihres Herrn so eifrig besorgt gewesenen Leuten, deren Tollheit sich unter die Kutte ihres Pfarrherrn verbarg — die angedrohte Strafe erlassen, dem letztern jedoch bedeutet, das Kapitel des Exorcismus in praxi aus seiner Liturgie zu streichen, was der geängstigte Geistliche um seiner Pfarrkinder und Gänse willen auch zu thun angelobte — jedoch mit schwerem Herzen, denn er war auf seine Teufelsbannkunst stolzer, als auf alle seine übrigen Kenntnisse und Fähigkeiten, sowohl im Latein wie im Griechischen und Hebräischen, worin er freilich kein Weltwunder sein mochte.
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Wider seinen ausdrücklichen Befehl fand der Graf die Thür seines Schlafzimmers heute nur blos angelehnt, nicht zugeschlossen, und eben wollte er seinen Kammerdiener rufen, um ihn wegen dieser Nachlässigkeit, die seiner jetzigen Meinung nach ein Verbrechen war, zur Rede zu stellen ... als seine Blicke auf den Tisch neben die Lampe fielen — und eines Briefes gewahrten, der mit großer Hast hingeworfen zu sein schien, denn er lag so, daß er jeden Augenblick auf die Erde fallen konnte...
Bevor der Graf diesen Brief zur Hand nahm, that er nun dennoch das, wozu er schon früher entschlossen war, er klingelte und ließ sein ganzes Hauspersonal zusammenkommen, vom Sekretär und Verwalter bis zum letzten Bedienten. Als die Leute beisammen waren, redete er sie mit finsterer Strenge an:
„Wer von Euch hat es gewagt, diese Thür hier zu öffnen?“
Sie sahen ihren Herrn erschreckt an und wandten sich mit fragenden Blicken zu einander.
Der Kammerdiener trat vor und sprach zitternd: „Vor einer Stunde, gnädiger Herr, habe ich das Schlafzimmer geöffnet und darin Alles in Ordnung gebracht — sogleich jedoch trat ich wieder heraus und kann es beschwören, daß ich die Thüre fest verschlossen habe.“
„Gut!“ versetzte Alexander: „ich will Dir glauben, Antoni; ich weiß, Du lügst nicht, ich weiß auch, daß Du Deinen Dienst pünktlich versiehst und daß meine Befehle Dir heilig sind.... Anfangs hatte meine Vermuthung Dich getroffen — — doch jetzt bin ich vom Gegentheil überzeugt und habe deshalb die Andern hierher beschieden. — — Nun,“ rief er mit lauter Stimme: „meldet sich Niemand von Euch? Ist der Schuldige etwa nicht hier?“
Alles blieb stumm.
Der Graf, in Zorn gerathend, stampfte auf den Boden: „Ich will es wissen! Weh demjenigen, den ich später selber als den Thäter entdecke. Er trete lieber gleich hervor!“