„Ja!“ schrie er händeringend auf: „Ich bin ein Würgengel! So wie die Eine fromm und schuldlos war — — so wird es wahrscheinlich auch die Andere sein.... Ich habe die Eine gelästert und zerstört — ich habe es ohne Zweifel auch mit der Andern so gemacht... Es wird mir klar, ich bin auserkoren — gleich dem Satan die Kinder Gottes zu verlocken und zu verderben.... Cölestine, Du bist rein und fleckenlos wie es Margaretha war... jene wie Dich tödtete mein Wahnsinn!“
Kaum hatte er dies gesprochen — als neben ihm eine gellende Lache aufschlug, welcher die Worte folgten:
„Armseliger Tropf! So ist also wieder all’ Deine Mannheit dahin? — dahin Dein Stolz und Deine ganze Größe? — — Geh, geh — Du bist der Kleinen Kleinster!... ein Knabe, der gerne ein Riese sein möchte.... stets aber von einem Weibe überwunden wird. Auf Deiner Stirne brennt mit unauslöschlichen Zügen das Schandmal: „Weiberknecht!“ — — und all Dein Thun hat seine Qual in der eitlen Laune irgend eines Weibes. — — Tausendfach verhöhnter Liebhaber und Gatte — Du wirst es bleiben bis an’s Ende Deiner Tage!... So bist Du schon wieder Narr genug — den glatten Worten eines Weiberzüngleins zu glauben? — — Wohlan! Geh’ hin — begib Dich um Mitternacht zu der Wohnung dieser Cölestine — — schleiche Dich hinter die Gartenmauer Deines Hauses — kaure hinter einem Strauche — — und Du wirst Deine treue Gattin kommen sehen, verhüllt mit Schleier und Tüchern... darauf tritt ihr der schöne schlanke Geliebte entgegen (Du kennst ihn wohl!) — — sie umfängt ihn mit brünstigen Armen — er entführt sie rasch — denn kein köstlicher Augenblick ist zu versäumen.... Wohin führt er sie? — — — Nach seiner Wohnung, nach seinem Hause .... hier bringen sie zwei Stunden zu, um einander zu küssen und über Dich zu lachen!“
Jetzt verstummte die Stimme.
Jetzt erst gewahrte Alexander, daß er sich außerhalb seines Schlosses im dichten Walde am Rande des Sees befinde. —
Von dem fremden Sprecher aber war nichts zu sehen; keine Spur mehr zu entdecken. — Freilich jedoch herrschte bereits finstere Nacht und am Himmel blinkte nicht ein Sternchen....
Wie er hierher kam aus seinem Schlafgemache, wußte er sich nicht zu sagen; doch erfuhr er am andern Morgen, daß er gestern Abend in tiefen Gedanken versunken herausgewandert sei in’s Freie, der Pförtner hatte ihm erstaunt nachgesehen, jedoch weder gewagt, mit ihm zu sprechen, noch ihm zu folgen. —