Noch an diesem Tage verließ der Graf allein und ohne alle Begleitung das Schloß und begab sich in einer unscheinbaren Kutsche nach der Residenz; er passirte unerkannt die Linien und stieg in einem der armseligsten Gasthöfe ab. Hier nannte er einen fremden Namen, und nachdem er ein einfaches Zimmer bezogen, schloß er sich, seiner Gewohnheit nach, darin ein. Er hatte nichts anderes mitgebracht, als seinen Mantel und unter demselben ein Paar lange, dünne, scharfgeschliffene Klingen, von moderner Pariser Arbeit. Mit ihnen unter dem Arme, von seinem Mantel eingehüllt, verließ er Abends in tiefer Dunkelheit seinen Gasthof, bezahlte den Wirth und begab sich sofort zu seinem Notar, den er gewiß war jetzt zu Hause zu treffen. Diesem händigte er ein versiegeltes Paket ein mit dem Bedeuten, es nach drei Tagen in dem Falle zu öffnen, als er bis dahin keine Gegenordre erhalten hätte. —

Das Paket enthielt Alexanders letzten Willen.

Nunmehr, mit seinen bürgerlichen Angelegenheiten in Ordnung — eilte er, denen seines Herzens und seiner Ehre Genüge zu leisten. Er trat den Weg nach seinem Palaste an, und da er wußte, daß seine Gegner sich der verborgenen Pfade bedienen würden, wählte er die allgemeine breite Heerstraße, auf der er auch ungesehen bis an den bezeichneten Platz gelangte. Es war ihm, der mit der Oertlichkeit dieses Gebäudes, welches er selbst hatte aufführen lassen, sehr vertraut war, leicht, sich hier zu verbergen, ohne daß Jemand seine Nähe ahnte. —

Keines Dieners Auge, keines Hundes Wachsamkeit hatte ihn entdeckt und mit bitterem Lächeln sagte er zu sich:

„Ich bin in meinem Hause sehr treu bewacht!“

Es schlug jetzt halb Zwölf. — Er setzte sich auf den Boden, legte die Waffen vor sich hin und betrachtete mit Wohlgefallen ihre Spitzen — denn diesmal schimmerten die Sterne, auch hatte sein Blick eine wunderbare Schärfe gewonnen, die jener eines Geiers glich.

Langsam, träg und faul zog die Zeit hin — Alexander meinte, diese halbe Stunde sei hinreichend, eine neue Welt zu bauen oder zu zerstören... an dem letztern Gedanken hielt er sich mit Wonne. — Endlich schlug es Zwölf....

In diesem Augenblicke raschelten seitwärts die Zweige des Gebüsches — und heraus trat ein Mann, ebenfalls in einen Mantel gehüllt. — Er wandte ihm den Rücken zu, und schritt langsam zur Gartenmauer, und zu dessen Pförtchen, welches hier auf’s freie Feld führte.

Selbst dem penetrirenden Blicke Alexanders war es nicht möglich, den Mann zu erkennen — sein Mantel verbarg ihn vollständig, überdies schien er sich noch durch andere Mittel unkenntlich gemacht zu haben. — Jedoch es war kein Zweifel, daß es ein junger Mensch sei, und an Größe glich er vollkommen dem Chevalier von Marsan. —