Es vergingen einige Augenblicke und leise ohne daß man es hörte, drehte der Schlüssel sich um, das Pförtchen ging auf.... eine Dame trat heraus. —
Auch sie war trefflich maskirt, so daß selbst Alexander unter anderen Umständen seine Frau nicht erkannt hätte — ihr Gang aber verrieth sie ihm dennoch. —
Ohne ein Wort zu wechseln, stürzten die beiden Personen sich in die Arme und blieben lange so — dann still, wie sie gekommen waren, rafften sie sich auf, und schlugen eilig einen Weg ein, welcher unter dem Schutze der Gebüsche und Bäume nach der Stadt führte.
Längst schon hatte auch Alexander sich erhoben — und folgte ihnen in einiger Entfernung Schritt für Schritt, nahe genug, um sie stets im Auge zu behalten — und doch so weit, um mit Hülfe der sich darbietenden Deckungsmittel selbst ungesehen zu bleiben. — Man hatte auf diese Weise ungefähr einige hundert Schritte zurückgelegt — als er am Eingange einer breiten, aber öden und unbewohnten Straße einen Wagen halten sah.... und vermittelst seines wie durch Zaubermacht geschärften Blickes — sogleich Marsan’s Equipage erkannte.....
In diesem Momente riß es ihn mit tausend Ketten empor, er vergaß aller Vorsichtsmaßregeln — stürzte der Buhlerin und ihrem Buhlen nach, die Erstere drehte sich rasch um und stieß den Ruf aus: „Um Gotteswillen! Ein Mann hinter uns!“ — dann liefen Beide eilig auf die Equipage zu... aber sie hatten sie noch nicht erreicht, der Kutscher hatte Cölestinens vernehmlichen Befehl: „Rasch den Schlag aufgemacht!“ noch nicht vollziehen können, als Alexander schon dicht hinter ihnen war — und (seines Vorsatzes, dem Mann einen von den Degen anzubieten, vergessend) mit beiden, gleich einem Mörder, über ihn herfiel, den einen in dessen rechten Arm, den andern ihm in’s Gesicht bohrte. —
Aber jetzt ward er verhindert, sie noch weiter zu gebrauchen... er fühlte sich rückwärts überfallen, von zwei gewaltigen Fäusten gepackt, entwaffnet und so zu Boden geschleudert, als sollte er sich nie wieder erheben... Der Kutscher (denn er war es) hob die Degen auf, packte den Verwundeten in den Wagen, schob Cölestine hinten nach und im wilden Galopp rollte die Equipage über das Straßenpflaster dahin.
Alles das geschah in Zeit von einigen Minuten — kein Wort war gewechselt worden — kein Laut dem Munde der betheiligten Personen entfallen — der Verwundete schien entweder vom Schreck oder vom Stich leblos geworden zu sein .... er lag gleich einer Leiche in dem Schoße Cölestinens. —
Beim Einsteigen in den Wagen hatte Cölestine dem Kutscher zugerufen: „Nach der Wohnung des Chevaliers von Marsan!“ — Dies war das einzige Wort gewesen. Alexander hatte es noch gehört. —