Zwölftes Kapitel.
Das Fest bei dem Chevalier von Marsan.

Das Haus des Chevaliers — ein neues Gebäude, welches sehr einsam in der Gegend des Belvedere lag — war seinen Gästen geöffnet, die zahllos heranströmten, um ihm zu seiner Ernennung Glück zu wünschen.

Das in Rede stehende Fest fand in den Abendstunden statt, weil ein Ball mit demselben verbunden werden sollte. Das Haus oder Hôtel oder der Palast war in seinen zwei Etagen glänzend erleuchtet, so daß die Lichter noch draußen hundert Schritte im Umkreise Tageshelle verbreiteten; — und eine Wagenburg war unten aufgefahren, die den Neid jeder einzelnen Person durch deren Wagen sie vermehrt wurde, erregen mochte. Fürstliche, herzogliche, hochgräfliche und Wappen von allen andern Ritterklassen waren da an den Schlägen zu sehen... fabelhaft prunkende Livreen tummelten sich neben denselben umher.

Vor dem Portale des Hôtels aber standen zwei Portiers, so groß wie Patagonier — und mit so langen Stöcken, daß jeder eine gute Kosakenlanze hätte abgeben können — dies jedoch, wie natürlich, ohne den mächtigen Knopf aus massivem Silber.

Eine Suite von zwölf Gemächern, worunter drei große Salons, war oben im ersten Stock bereit, diese Tausende von Personen aufzunehmen — deren Blick beim Eintritt geblendet wurde von einem in Wahrheit orientalischen Luxus. Denn das ganze Haus Marsans war in diesem Geschmacke eingerichtet — und schon unten an den Treppen hatten uns schwarze Kammerdiener empfangen, während hier in den Sälen die aufwartende Dienerschaft aus lauter echten Abyssiniern in dem malerischen Costume ihres Vaterlandes bestand. — Jedoch wollte der Herr des Hauses den Orientalismus nicht so weit treiben, daß er zum Besten jener Gäste, die für denselben keine so große Leidenschaft nährten, wie in diesem Augenblick er — nicht auch einige Europäer mit schwarzen, betreßten Fracks unter seine Söhne des Islams gemischt hätte. —

Der Boden dieser Appartements war theils mit trefflichen Teppichen aus Aleppo belegt — theils mit einer Art von feinen Binsendecken, welche so glatt waren, daß man darauf tanzen konnte, und die in Skios verfertiget werden. An den Wänden hingen köstliche bunte Stoffe — zwischen welchen Säulen von Marmor standen mit abentheuerlichen Kapitälern und Sockeln versehen, so daß sie aus dem Serail des Padischah oder Mehemed Ali genommen schienen; in den Draperien wechselte der Damast aus Damaskus mit den Shawls aus Teheran und Kashemir — schwerlastende Stickereien, Franzen und Quasten faßten den Rand ein. — Springbrunnen, mit wohlriechendem Wasser gefüllt, standen in den Ecken, und in der Mitte eines Salons befand sich ein Bassin aus carrarischem Marmor, worin Goldfischchen schwammen und welches tropische Gewächse und Blumen umgaben, aus deren Zweigen, trat man mit dem Fuß zwischen sie, liebliche Musik ertönte... Es waren lauter Weisen in jenem klagenden Tone, wie man sie unter den Mauern eines Harems zu hören bekommt.

Kurz hier fehlte nur noch der Pascha, mit der langen Pfeife, auf Polster hingestreckt und von seiner Lieblingssklavin umkos’t.

„Zum Teufel!“ sprachen junge Herrn in strohfarbigen Glacéhandschuhen, die von Patschuli dufteten: „Zum Teufel! — Wo befinden wir uns? — Sind das die Gärten der Semiramis oder ist es das Terrain der Mährchen von Tausend und einer Nacht...?“

Die guten Herrn! — Sie hielten die Semiramis wahrscheinlich auch für irgend eine Sultanin im Lande der Gläubigen. —

Herr von Marsan empfing die ankommenden Personen in einem Mittelsaale. — Er war im einfachen Salonanzuge — braunem Frack, schwarzen Beinkleidern von Seide und eben solchen Escarpins; ein weißes Halstuch — unter welchem das Offizierkreuz der Ehrenlegion hing, welches er mit seinem Gesandtschaftsposten zugleich erhalten hatte.