Unter der Gesellschaft befanden sich von denen, welche wir kennen: der General und die Generalin von Randow — Herr von Labers, der die Feldmarschallieutenants-Wittwe E—z begleitete, dann die Gräfin von Wollheim mit ihrem Gemahl. — Natürlich, daß Cölestine fehlte, und Herrn von Porgenau sammt Gemahlin anlangend, so waren diese gar nicht geladen worden: in den Augen Marsans zählten sie zur Canaille, wohin er jedoch auch den Grafen Wollheim gestellt hätte, wäre dieser durch seine strumpfstrickende Frau nicht ein Freund des Generals gewesen. — Leider trat mit jener gutherzigen Dame auch das Stiftsfräulein von Bomben herein, ohne daß sie eine Karte empfangen hätte; aber der Tag war zu wichtig: mehrere Damen, Mitglieder des Frauenvereins, waren zugegen, und mit diesen hatte dieses menschenfreundliche Ex-Mitglied diesmal etwas Besonderes vor.

Hätte ein Maler den Begriff der Liebenswürdigkeit personificiren und durch Pinsel und Palette auf Leinwand werfen sollen — so brauchte er heute nur das Portrait Herrn von Marsans zu zeichnen; da war keine Zuthat, keine Idealisirung des Stoffes nöthig: er selbst, in baarem Wirklich, war Ideal.

Selbst seine Feinde (und auch er hatte deren) waren entzückt — um ihn schaarten sich nur Zufriedene, Glückliche.

Bald hatten sich Gruppen und Kreise gebildet. —

Neben einer Fontaine saßen einige Damen, unter denen die Gräfin von Wollheim und das Fräulein von Bomben hervorstachen. Man unterhielt sich hier über das Fest, über den Geber desselben — und erschöpfte sich in Conjunkturen wegen der glänzenden Belohnung, die ihm sein König für einige wichtige Dienste in letzterer Zeit zuertheilt hatte. Unvermerkt wußte das Stiftsfräulein, welches die schöne Kunst besaß, das Wort überall an sich zu reißen, das Gespräch auf einen neuen Gegenstand zu bringen, auf einen ihrer Lieblingsgegenstände.

„Sie haben wohl schon von dem remarkablen Falle gehört, meine Damen — der sich vor einigen Tagen in der N** Straße zugetragen und welcher in naher Verbindung mit dem Chevalier von Marsan, besser gesagt in direkter Verbindung mit ihm, steht?“

Es ließen sich nun einige Angaben vernehmen — die alle von dem wirklichen Faktum abwichen und auch alle unter einander verschieden waren.

„Nein, nein!“ versetzte das Stiftsfräulein: „das Alles ist nichts! — Weit von der Scheibe! wie man zu sagen pflegt. Ich bin über den Punkt genau unterrichtet und kann Ihnen aus authentischen Quellen Geschöpftes mittheilen. So hören Sie denn!“ —

„Vor vier Tagen — doch es war zur Nachtzeit, es war nach Mitternacht — hielt die Equipage des Chevaliers, welche aus diesem Hause abgefahren war, wie gewöhnlich in der N** Straße, und er, nämlich Herr von Marsan, stieg heraus. Nachdem er seinem Kutscher den Befehl ertheilt hatte, ihn hier zu erwarten (wie gewöhnlich! muß ich hinzusetzen), bis er zurückkehren werde, begab er sich zu Fuße auf Umwegen nach der Wohnung der Gräfin A—x, zu dem Gartenpförtchen (Alles wie gewöhnlich, meine Damen). — Hier wartete er einige Augenblicke, nach welchen sich das Pförtchen öffnete und Cölestine bis über die Zähne maskirt heraustrat, (wie gewöhnlich). Sie fiel ihm um den Hals und rief: „Endlich! Endlich! Nach langem Harren und Fürchten.... endlich bist Du da, Geliebter, und ich kann Dich an mein Herz drücken. — Böser, böser Mann — warum hast Du mich eine so ewig lange Zeit in ängstlicher Ungeduld harren lassen?... Es ist ja beinahe fünf Minuten später, als Du kommen solltest!“ Hahaha! Hahaha! — Was sagen Sie dazu — meine Damen?“ wandte die Erzählerin sich zu ihrer Umgebung, fuhr jedoch gleich darauf wieder fort: „Nachdem sie diese schönen Worte ausgesprochen, die edle Gräfin von A—x, auch dasjenige, was sie enthielten, richtig gethan hatte (wie gewöhnlich!), hing sie sich an den Arm des zärtlich Geliebten und schlug mit ihm den Weg nach seinem Hause, nach diesem Hause hier, ein — — (Alles wie gewöhnlich!) Ach, welcher zauberische Spazierweg Nachts im Mondenschein durch eine entlegene, höchst romantische Gegend! Welche Worte wurden da, welche Blicke ausgetauscht — welche Küsse rauschten durch die heilige Stille der Nacht — welche Liebesseufzer — oder auch Liebesgestöhne.... und was sonst noch Alles!? — Denn Sie wissen doch, Gräfin Cölestine ist eine Candidatin des hohen Frauenvereins.... hahaha!“

„Zur Sache, beste Freundin! zur Sache!“ — riefen die ungeduldigen Zuhörerinnen, die anstatt der Floskeln Thatsachen verlangten.