„Nun denn also weiter! — Die zwei holden Leutchen vergnügten sich drei Stunden lang im freien Felde zwischen Sträuchern und Bäumen .... der gute Mond sah anfangs recht gutmüthig schalkhaft in diese Wirthschaft hinein... zuletzt jedoch mochte es selbst ihm, dem Langmüthigen, zu toll werden — und was thut er, der brave alte Kerl? — Er sendet leise und klug einen seiner schärfsten Strahlen auf die pittoreske Gruppe des Liebespaares, so daß diese, trotz der getreuen Büsche und Blätter, so grell beschienen wird, wie am Tage... Alles das war noch immer wie gewöhnlich! — Jetzt jedoch kommt etwas Ungewöhnliches... Im Augenblicke der vollen Beleuchtung... stürzt ein Mann, der sich bisher versteckt gehalten, hervor und auf die engverschlungene Gruppe des Liebespaars... der Mann hat einen Degen — und will damit die Verbrecher züchtigen.... Jedoch ist dieser Mann ein Ehrenmann, ein Biedermann, ein Engel von einem Manne; statt allein auf die Beiden loszustürzen, wozu er doch das vollkommenste Recht besaß, bietet er dem Chevalier einen Degen an und will es mit ihm im Zweikampfe ausmachen. ... Armer Ehrenmann! Armer Biedermann! — Was geschieht anstatt dessen? — — In dem Augenblick, wo er sich seinem Gegner nähert und ihm eine von den zwei Waffen, die er selbst mitgebracht hatte, anbietet — entreißt die zärtliche Gräfin Cölestine ihm dieselbe und fällt ihn von hinten mit der Wuth einer Tigerin an.... (Wer hätte dies Alles der sanftmüthigen Gräfin zugetraut!) .... Nunmehr versieht sich Herr von Marsan seines Vortheils, ihm kann man so etwas weniger übel nehmen — — stürzt seinerseits auf den armen Mann, welcher alsbald zu Boden gerissen — und, (durch wen von Beiden weiß man nicht) dermaßen zugerichtet wird, daß er aus mehreren Wunden blutet und ein entsetzliches Wehgeschrei ausstößt...“

„Das ist Alles selbst entsetzlich!“ schauderte der Zirkel, spannte aber seine Aufmerksamkeit immer schärfer an.

„Bei diesem Ruf entfliehen die Verbrecher, und eilen dem Platze zu, wo noch die Equipage Marsans steht... aber Wuth und Verzweiflung gaben dem Verwundeten die Kraft, sich wieder rasch vom Boden aufzuraffen — und er folgt den Zweien nach. Das war ein Rennen und ein Laufen! Man hätte es für eine Jagd halten können — oder für ein Wettrennen... hahaha! — Und das Geschrei des Verfolgenden, wie der Verfolgten! — — „Elende! Ihr sollt es mit Eurem Leben büßen!“ „„Allmächtiger Himmel! rette uns!““ — u. s. w. — — Aber der Himmel und respective die Göttin Venus weiß die Ihrigen zu beschützen... mit einem Worte: der Rächer war eben am Wagenschlage angelangt — als die Equipage mit dem darin geborgenen Liebespaar pfeilschnell abfuhr... so daß der Arme nur mehr ein entsetzliches Wuthgeheul ausstoßen konnte.... Venus, Amor, sowie den ganzen Himmel verfluchend.... und das mit Recht, denn rathen Sie, meine Freundinnen, wer dieser arme Mann wohl war —?“

„Nun — es wird doch nicht...?“ hieß es wie aus einem Munde.

„Ja, ja — — es war ihr Mann, Cölestinens Mann, der arme, bedauernswürdige, redliche und betrogene Graf Alexander von A—x, einer der edelsten Cavaliere dieser Residenz war es!“

Nach einer Pause voll tiefen Erstaunens — fragte eine von den Damen: „So ist er also hier in der Residenz?... So liegt er also irgend wo krank, verwundet zum Sterben, der edle, gute, unglückliche Graf...“

„Wie Sie sagen, so ist es, meine Beste. Er liegt in einer elenden Hütte — denn seine treulose Gemahlin und ihr Haus will er nicht mehr sehen — krank, leidend, zum Tode verwundet ... wahrscheinlich wird der Märtyrer bald seinen Geist ausgehaucht haben....“

„Das Alles scheint mir indessen doch ein wenig unglaublich!“ bemerkte jetzt Gräfin Wollheim, nachdem sie lange mit einem ziemlich hohen Grade von Mißbehagen zugehört hatte, ohne sich entschließen zu können, drein zu reden; endlich war es ihr indessen doch zu bunt geworden: sie konnte diese Anklagen gegen ihre Freundin Cölestine nicht länger ruhig mit anhören.... wiewohl es ihr auch anderseits wieder schwer fiel, gegen das Fräulein von Bomben aufzutreten — da diese sich ja ebenfalls ihrer Freundschaft erfreute.

„Reden wir lieber von etwas Anderem!“ bemerkte die brave Gräfin, welche mit dieser Wendung einen Meisterstreich ausgeführt zu haben glaubte: „Reden wir von unseren Arbeiten, von unseren Beschäftigungen, wenn es Ihnen gefällt, meine Damen. Was mich betrifft... so habe ich wieder eine Jacke und drei Paar Strümpfe von starker Wolle gestrickt....“

„Ah, ah! für den edlen Frauenverein!“ fiel die Stiftsdame ein.... „Wer weiß,“ lachte sie, „welchem braunen Bauerburschen diese Jacke von einer der hohen Vorsteherinnen zugedacht werden wird.... haha!“