Und es war eine glühende Mondscheinnacht. Wie in lichten Rauch gehüllt lag der Himmel, unter jeder Wolke glimmte es, das Meer war entzündet, die Wellen hatten Feuerränder. Andrée, Karl und die anderen ergingen sich am Strand. Wohin sie den Fuß setzten, schlugen Funken empor, ein jedes Sandkörnchen erglänzte, als wäre die Welt in Brand gesteckt, stand alles in Feuer und Flammen. In Karl brannte es lichterloh. Da fragte ihn Andrée, was sein Herz bedrückte.

»Es ist die Furcht,« rief er kühn, »sterben zu müssen, eh' ich Sie zur Frau gewann!«

»Davor bewahr' uns Gott!« entfuhr es ihren Lippen.

Ein Jubelschrei war sein Dankgebet. In später Nachteinsamkeit irrte er noch berauscht am Ufer umher. Erbebe, Erde, ein Liebender schreitet über dich hin! Glühe, Himmel, Meer erschauere, ein großes Glück kehrt ein in die Welt! Reuig, gerührt hätte er sich Gott, wie einem Vater, in die Arme werfen mögen, als ein Klagelaut die Luft durchschwirrte.

Es wird wohl eine Möwe sein, dachte er: Hier giebt's keine Totenvögel. Tausend neue Kräfte überkamen ihn, die ihn zum Leben bestimmten und drängten, seiner Bestimmung zu leben. Er dünkte sich ein gar gewaltiger Herr, es war keine Ader in ihm, die nicht königlich gewesen wäre ... Da plötzlich durchzuckte es ihn:

Vielleicht sterbe ich an meinem Hochzeitstag! ...

Doch mußte er lachen. Der Tod hatte kein Recht mehr über ihn. Die Seele war ja unverwüstlich, und jede Faser in ihm war Seele, Liebe, jauchzendes Verlangen!

Glitzernd rauschte die Flut heran, purpurn brannte es in der Höhe. In ihm, um ihn Leben, Feuer, Erdenglut. Nur sein Schattenbild zitterte häßlich wie ein dunkler Fleck auf all der Pracht.

Kann man nie allein sein, Tod? dachte er; kann man nicht einmal in Ruhe an sein Mädchen denken? ...

Umsonst, sein Herz war angefressen; was Gram und Angst begonnen, das Glück vollendete es. Im Glück ereilte ihn die Wut. Denn wie bald konnte seine Stunde schlagen!