Der arme Teufel stand da ohne Arbeit, ohne Geld. Nichts hatte er als ein rechtschaffenes Herz. Zwar einen reichen Onkel hatte er auch, der aber von ihm nichts wollte, der Geizhals! Auf seinem schönen Gute hausend beklagte sich der Knauser und that, als ob man ihm noch etwas schenken sollte. Es galt denn ohne den filzigen Alten fertig zu werden, aber wie?
Von Kindesbeinen auf hatte er sich allein durchbringen müssen, denn seine Mutter war eine böhmische Köchin gewesen, und seinen Vater kannte man nicht. Arbeiten und nichts lernen! hatte seine Schicksalsparole gelautet. Wenn er wenigstens eine Profession gehabt hätte! Aber nichts konnte er, als höchstens Stöcke machen. Da schwang er sein Fabrikat, einen festen, elastischen Stock. Gut, so will ich Stöcke machen, dachte er, aber dich, meinen ersten, behalte ich zum eigenen Gebrauch!
Zehn Jahre später war er Inhaber einer Stockfabrik. Am Diamantengrund hatte er sich etabliert, das Geschäft florierte. Nicht umsonst hatte er sich abgerackert. Gestützt auf seine Stöcke sah er dem Leben froh ins Gesicht. Wer hätte gedacht, daß er so groß dastehen würde ohne einen Kreuzer Schulden. Der Zündhölzchenfabrikant Mayer, ein Hausbesitzer, war sein Freund. So weit hatte er es gebracht. Und aus eigener Kraft! Kein Wunder, daß er in die Breite ging. Ja, er konnte sich sehen lassen mit seinem stattlichen Bauch, je einen Büschel Bart auf den glänzenden Wangen und den bewußten Stock stets in der Hand. Der war sein stiller Kompagnon.
Es war eine Passion zu leben! Nur das verflixte Herz! Frau Bradl hatte es ihm angethan, die blühende Witwe eines reichen Cafetiers. Es gab keine feschere, herzigere Frau! Also eine Hoffnung mehr im Leben, ein Grund mehr, Gott zu danken. Das konnte er in jeder Beziehung, denn wenn man so dastand, wie er – Nun brauchte er nicht mehr den Schmuzian vom reichen Onkel, und zum Beweis, daß er ihm nichts nachtrug, machte er ihm einen prächtigen Stock zum Geschenk.
Doch da kam er gut an bei dem alten Griesgram. Der empfindliche Herr betrachtete den Stock als Symbol und schrieb dem Spender einen Brief voll Gift und Galle. Dieser bekam Dinge zu lesen, daß ihm Hören und Sehen verging, aber auch die Geduld. O der Giftzahn! Aber alles brauchte sich der Mensch nicht gefallen zu lassen. Na warte! Er mußte ihm seine Meinung sagen. Übrigens schrieb er ganz höflich: »Verzeihen Sie, lieber Onkel, ich bitte Sie tausendmal um Entschuldigung, aber Sie sind ein Esel.«
Das war zu viel für den Wüterich. Er barst schier vor Zorn. Die Todfeindschaft war besiegelt. Das bleibt dir nicht geschenkt, Herr Neffe! dachte er. Alles Böse hätte er ihm anthun mögen. Darin war er groß. Ja, er sollte an ihn denken! Denn als er bald darauf als ein verhältnismäßig armer Mann starb, hieß es in seinem Testament:
»Mein Gut vermach' ich meinem lieben Neffen Johann Muck.«
Dieser verkaufte Stöcke und tauschte mit keinem König, als man ihm die Trauer- resp. Freudenbotschaft überbrachte: »Ihr Onkel ist tot, und Sie sind Gutsbesitzer.« Fast wäre er vor Freude gestorben, doch hielt er sich zurück.
»Mein armer Onkel!« klagte er vielmehr. »Das Gut gehört mir? Ist er sanft entschlafen? Welch' ein Glück! Wann wird er denn begraben? Das freut mich herzlich! Wie viel Joch beträgt es?«
Langsam faßte er sich. Sein Glück konnte er noch immer nicht fassen. Er freute sich, als hätte er sich sein Leben lang zu freuen. Umsonst versuchte er an der Bahre zu jammern: