»Hab' Dank! O daß du gestorben bist!« es klang wie ein Jubelruf: »O hab' Dank, daß du gestorben bist!«

Ist denn die Freude eine gar so anstrengende geistige Arbeit? Fast wäre er närrisch geworden. Aber es war auch keine Kleinigkeit. Er war froh gewesen, daß er lebte, und nun das Glück! Er war froh und zufrieden gewesen und nun das großmächtige Glück, das Glück aus heiterem Himmel! Kein Wunder, wenn man da gefühlvoll wird.

»Begraben Sie ihn gut, Hochwürden,« bat er gerührt den Geistlichen. Wie weinte er! Vollends am Grabe – wie weinte der lachende Erbe:

»Mein armer, armer Onkel!«

Zu seinen Lebzeiten hatte er nie anders von ihm gesprochen, als: »mein reicher Onkel« und kein gutes Haar an ihm gelassen. Aber die Toten haben es gut. Nun sagte er: »Mein armer Onkel« und hob ihn in den Himmel. »Mein armer Onkel! Gott, gieb ihm a Ruh'!« eine Redensart, die er offenbar von seiner Mutter hatte, die, wie gesagt, eine böhmische Köchin gewesen.

Nun aber kaltes Blut bewahrt! Und Courage! Und sich ins Glück gestürzt über Hals und Kopf!

Sein Geschäft hatte für ihn ausgelebt. Man bricht mit der Vergangenheit beim Erstehen eines neuen Glücks, da giebts keinen Pardon, nicht mit der schönsten Vergangenheit. Das Gut war seine Hoffnung, ihm galt seine Pietät. Verschleudern wollte er sein blühendes Geschäft. Zum Glück fand sich kein Abnehmer sogleich. Wie würde es ihm vollends ergangen sein mitsamt seinem Gut!

»Schade, daß es verwahrlost ist,« hieß es bei der Erbschaftsübergabe.

»Verwahrlost?« staunte er, »aber das steht ja nicht im Testament!«

Aber als er an einem Maitag an Ort und Stelle fuhr, um Besitz von seinem Besitz zu ergreifen, und nachdem er an der Bahnstation gefragt hatte, wo Himmelshof lag, sein Gut, seine Welt, und auf dem Weg dahin immer wieder gefragt hatte: »Wo liegt Himmelshof?« bis man ihm die Auskunft gegeben: »Na, vor Ihrer Nase!« wäre er vor Entzücken fast in die Kniee gesunken.