»Gott, bin ich denn ein Schuft? Gott, sag' Nein!«
Allein Gott sagte nicht Nein.
Wie um vor sich selbst zu fliehen, floh er in die Nacht hinaus.
Leuchtende Wolken beschienen das Thal. Der Mond glich einer matten Feuerwolke. Still schwebte er über den Bergen. Wie durchgeistigt standen sie da, ein jeder für sich eine Größe und zum Himmel gehörig, wie der Himmel zur Erde, da lag sie, wie ein Stück von ihm.
Muck faßte sich am Kopf. Wie eine Erscheinung lag vor ihm die Gegend. Ein großes Schweigen sprach aus ihr. Sie wußte nichts von Schweinezucht und Wirtschaftsnöten. Wie fühlte er sich vollends als ein armer Teufel, dem die Erde so wenig gehörte, wie das Leben. Wo war sein Gut hin? Es war wie versunken. Vor ihm lag nur ein Stück überirdisch schöne Erde.
Im Grase liegend fand ihn der Morgen. Die Gicht steckte ihm in allen Gliedern. Ja, auch die Gicht hatte er sich auf seinem Gut geholt.
Unter Glockengeläute erhob er sich. Es läutete zur Frühmesse. Der Mensch muß eine Zuflucht haben, und so ging er in die Kirche, in dieses Spital für kranke Herzen.
Es war ein nüchternes Kirchlein. Ein Bauerssohn von Priester stand am Altar. Wie der Diener, so der Herr. Hier wohnte nicht der ehrwürdige, großartige Gott, der in mittelalterlichen Palästen wohnt, dessen Geist unter Ornamenten und Spitzbögen schwebt, der einen Hofstaat hält von Bischöfen und Prälaten, nein, ein bäuerischer Gott, ein armer Mann von einem Gott, der Gott aus seiner Kindheit. Es war lange her, daß sie sich gesehen. Er glaubte eine Stimme zu hören: »Wie du dich verändert hast, Johann!« Und du dich erst, lieber Gott! dachte er. »Wie groß du geworden bist!« – Und du so klein! – –
Eigentlich hatte er große Momente auf seinem Gut erlebt: den Freund verloren und seinen Gott. Aber alles holt der Teufel!
Nur eins war ihm geblieben: sein Stock.