Major Abaza, der Säufer, saß melancholisch da und trank Absinth. Sein rundes, alle Farben spielendes Plein-air-Gesicht sah aufopfernd drein, als leere er jedes Glas auf das Wohl des Vaterlandes.

Mit kalter, kritischer Miene blickte Wocykow ins Balltreiben, als Berichterstatter sah er sich zu keinem persönlichen Gefühl verpflichtet. Der dicke Slave Zedekoff hockte schläfrig in einer Ecke. »Auf, Zedekoff, auf zur Mazurka!« rief Adler, der rührige Ballarrangeur, und tanzte die Mazurka mit derselben Verve, wie er soeben den Walzer getanzt hatte. Goltschmann und Madja, die ein Paar bildeten, schienen weniger bei der Sache zu sein. Klein führte eine stattliche Brünette mit großem, blassem, männlichem Gesicht. Ihre schwarzen Augen glühten. Ein Typus! eine Individualität! frohlockte Laurent und konnte kaum erwarten, ihre Bekanntschaft zu machen, doch sah er sich getäuscht. Die interessante Fremde war nur ein gutes, lebensfrohes Mädchen.

Doch Madja hatte es ihm angethan. Sie an einem, Olga am andern Arm betrat er die Straße. Der erste Morgenstrahl ging auf, in leisem Halbschlaf lag Paris. Unterwegs schloß sich ihnen Adler an, Mascha, seine Braut, führend; Sascha, deren Zwillingsschwester, hing am Arm des Mediziners Federscher, mit dem sie ihrerseits verlobt war.

Ein bedeutsames Wortgefecht auf den Boulevards zwischen 3–4 Uhr morgens gehörte zu Laurents Lieblingsgewohnheiten, doch mit Adler war nichts anzufangen. Fortwährend witzelte er. Sein Lachen klang keck und kraftvoll wie ein energischer Naturlaut. Oberflächlicher Patron! dachte Laurent, mußte ihm aber doch gut sein.

»Sie interessieren mich, es ist großartig, wie Sie mich interessieren,« murmelte er, ihn, Madja und die andern mit Blicken verschlingend.

»Weil Sie zu uns gehören,« sagte Olga kokett. Nun aber war Laurent nichts weniger als revolutionär.

»Warum nicht gar! da muß ich bitten! Ich bin liberal, streng liberal!« wehrte er sich.

Schließlich rühmte ihm Adler die schmackhafte Küche seines künftigen Schwiegervaters, des Restaurateurs Trebatsch in der Rue Pont Royal.

»Sie müssen kommen!« bat er, »kommen Sie bald, noch im Laufe des Tages!«

»Ich schau' schon einmal hin,« versprach Laurent.