Eine halbe Stunde später saßen die beiden am Kamin in einem wahren Schmuckkästchen von Stube. Die zarte Anthracitflamme beschien ihre Gesichter, das von einem Erlebnis zermalmte des einen und das nach einem Erlebnis gierige des andern.
»Eh bien, was giebt's?«
Ein Stück brennende Kohle fiel aus dem Feuerhaufen auf die steinerne Fliese nieder, brannte aus letzter Kraft und erlosch. Adler betrachtete die Glutleiche und nickte dem Frager zu:
»Ja, ich bin verloren.«
»Tiens, weshalb?« fragte Laurent. »Wollen Sie eine Cigarre rauchen?«
Adler sprang empor. Vorbei war alle Wehmut, sein Zorn jauchzte auf. Mit einer Miene, als wollte er all die hübschen Möbel in Trümmer hauen und die ganze Welt dazu, rief er mit dem höllischen Wohlbehagen der Verzweiflung:
»Ich bin der Spionage angeklagt und des Unterschleifs von Stipendien. Federscher ist mein Angreifer. Ein Gericht von meinesgleichen wird zusammentreten und mich der Ehre verlustig erklären. Trebatschs Gasthaus wird für mich verschlossen, meine Braut verloren sein. Bald wird die ganze Pariser Studentenschaft meine Schmach erfahren, ein jeder sich scheuen, mit mir umzugehen und nicht eher ruhen, bis ich abseits verrecke wie ein räudiger Hund!«
»Aber das ist ja hochinteressant!« rief Laurent und ergriff Adlers Rechte, wie um ihm zu gratulieren. Dieser wuchs in seinen Augen. »Welch ein Fall! Nicht rühren sollte man daran, um ja den Effekt zu wahren.« Nur pflichtschuldigst fragte er, was an der Sache eigentlich sei.
»Nichts!« knirschte Adler und beschwor seine Unschuld. Er habe für die Botschaft kopiert, das sei alles. Und wenn er mehr Stipendien erhielte, als die andern, so sei das gerecht, und wenn er ein besserer Student wäre als jene, nicht seine Schuld u. s. w.
»So brauchen Sie ja das Gericht nicht zu fürchten!«