IV.
»Ich will nichts mit Duellen zu schaffen haben!« wehrte sich Laurent. Er hatte ein Buch geschrieben gegen den Zweikampf, ein gutes Buch sogar, einen wahren Herzensschrei, mit frechem Mut die Feigheit begangen, einem Beleidigten Genugthuung zu versagen, in seiner öffentlichen Rechtfertigung die Frage aufwerfend: »Was ist tapferer, sich mit geladenem Revolver zu verteidigen oder mit ungeladenem?« und Caillé, dem gefürchteten Publizisten, den Freundschaftsdienst, sein Zeuge zu sein, rundweg abgeschlagen. Dieser Duellhaß war sozusagen die einzige Empfindung seines Lebens. »Was wollen Sie denn noch?« fuhr er Adler an. Wie verwünschte er ihn mitsamt seiner ganzen Sippe! »Sind Sie nicht ein frischgewaschener Ehrenmann? Haben Sie es nicht aus Pokuroffs Munde? Und verbietet dem Russen sein junges Evangelium nicht aufs strengste den Zweikampf?«
Nie und nimmer! dachte er und rief schließlich, um die Sache ein für allemal abzuthun: »Daß ich Ihr Zeuge bin mit dem größten Vergnügen, versteht sich von selbst. Aber nicht hier! Die Polizei, drei Monate Gefängnis – ich danke! Es muß also in Belgien sein! Warum sollte es nicht in Belgien sein? Zwar die Reise für Sie selbst, Ihre beiden Zeugen und den Arzt, dann die Anschaffung der Pistolen – eine verteufelt kostspielige Sache solch ein Duell! Wenn ich wenigstens in der Lage wäre, Ihnen auszuhelfen – verfluchtes Geld!«
Ein neuer Tanz begann. In Lumpen gehüllt, keinen Sou in der Tasche, dachte Adler Tag und Nacht an das Duell. Er aß nicht, er schlief nicht, er wusch sich nicht, es war ihm zur fixen Idee geworden, er war tausendmal unglücklicher wie vor seiner Freisprechung. Die Rachsucht verlieh seinen Zügen einen edlen, leidenden Ausdruck. Wiederum lief er Laurent das Haus ein, lehrte ihn Thee auf russische Manier zubereiten, nützte seinen Parfümvorrat oder saß da, den Kopf auf beide Hände gestützt, und knirschte in seinem improvisierten Französisch mit einem Gesichtsausdruck, daß es einen Stein erbarmt hätte: »Je veux le battre comme une canaille!«
Laurent wußte nicht, wo ihm der Kopf stand. Die »Revue rose« machte Miene einzugehen.
Nachts heimkehrend hörte er einmal die Hausbesorgerin aus ihrer Loge rufen:
»Der Herr Russe war wieder da,« sagte sie höhnisch – Hunde und Hausmeister können schlechtgekleidete Leute nun einmal nicht leiden – »Sechsmal hat er nach Ihnen gefragt.«
»Sagen Sie ihm morgen, ich sei verreist,« beauftragte sie Laurent. »Und wenn ein Herr Ponthier nach mir fragt: ich sei daheim und harre seiner.«
Er steckte in einer fürchterlichen Haut. Die »Revue rose« war eingegangen. Herr Ponthier allein, der reiche Spekulant, konnte sie von den Toten erwecken. Von Laurents Unterredung mit ihm, die morgen stattfinden sollte, hing alles ab. Bis übermorgen konnte der vorsichtige Philister sich die Sache überlegen. Wie sagte er? »Wenn ich mich zu dem Unternehmen entschließe, was noch lange keine abgemachte Sache ist –« ach nein, leider Gottes! – »so geschieht es nur aus speziellem Vertrauen zu Ihnen. Denn daß Sie z. B. von Thorheiten, wie Duellen, ein entschiedener Gegner sind –« Diese gute Meinung sollte Laurent zugute kommen.
Gegen Morgen schlief er endlich ein, als ihn ein lautes Pochen an der Thür erweckte. Adler stürzte mit dem Freudenruf ins Zimmer: