Sein verwittertes Gesicht blühte auf bei dem Geständnis: »Der Wald ist meine Welt! Der Wald ist auch eine Welt! Eine Welt ist mein!« Wie gern hätte er dem Bruder ein Stück davon zustecken mögen. Ihn dauerte plötzlich der flotte Offizier. Das Leben besteht nicht aus Liebhabereien, das Leben ist eine große Leidenschaft! dachte er, und wie er ihn vor sich sah, so sehnig und blühend, konnte er sich nicht enthalten, auszurufen: »Schad' um dich!«
»Es ist gar nicht schad' um mich!« behauptete Rudolf.
»Kann sein!« gab jener zu. »Hast umsonst gerade Glieder, bist doch nur ein Krüppel, kennst nicht die Begeisterung!« Es giebt Momente, wo man mehr fühlt, denkt und spricht, als man verantworten kann, und es lag so etwas in der Luft. Man ist selbst wie verwandelt und geneigt, auch seinen Nächsten zu ersuchen: Verwandle dich, ich bitte dich darum!
Er hatte an einer Wunde gerührt.
»Begeisterung!« lachte Rudolf bitter. »Da verlangst du zu viel!« Und nun brach er los mit Klagen und Selbstanklagen. Wie der lange Frieden einen jungen Offizier, wie ihn, schlaff mache. Könne da von einem großen Gedanken, von höherem Streben die Rede sein? Dürfe sich die Thatkraft rühren? Ginge sie nicht vielmehr zu Grunde?
»Was bedarf es auch der Thatkraft? Höchstens so vieler Schneidigkeit, als bei Paraden nötig ist! Glaubst du, daß ich kein Bedürfnis fühle nach etwas Mehr?« rief er zornig. »Aber ich bitte dich! Wie käme man dazu bei der knappen Gage, dem bißchen Revenue, gerade genug, um ohne große Schulden standesgemäß zu existieren.«
»Nun, mehr kann kein vernünftiger Mensch verlangen!« tröstete der Bruder, der es gar nicht so gemeint hatte. »Bist ja noch ledig. An was brauchst du zu denken?«
»Das ist's ja eben! Man darf an nichts denken!« rief Rudolf klagend und sah tiefunglücklich drein, wie zum Beweis, daß ein Offizier auch nur ein Mensch sei.
»Also daher bläst der Wind! Verliebt also und ohne Aussichten! Das ist bös!«
»Es ist eine aufrichtige Neigung,« beichtete Rudolf, »ich spreche nur ungern davon. Lassen wir das! Keine Sentimentalitäten!«