»Für alles gesorgt! So 'was! Aber du mußt mir anders werden, mein Lieber! Teufel, du wirst mir ein ganzer Kerl oder – Wo ist mein Triton? Fast hätt' ich meinen Triton vergessen.«
»Was ist denn das für ein Instrument?«
»Hirschruf, mein Lieber. Ich markiere einen schwachen Hirsch und der starke soll mir kommen.«
Trotz allen Herzenskummers mußte Rudolf lachen.
»Famose Einrichtung! Sollte Verbreitung finden! Ha! ha! ha!«
Noch ein Glas starken Thee geschlürft, Lodenrock, Bergstiefel angelegt, die Kugelbüchse umgehängt, den Bergstock ergriffen und hinaus ging's ins Freie.
Die Nacht umgab sie wie ein Traum. Gleich finsteren Mächten blickten sie auf die kristallhelle Welt. Auf den Feldern lag weißes Licht wie Nebel. So herrlich war's, daß sie verstummten und nicht einmal sagen konnten: »Es ist herrlich!«
Etwa zwei Stunden ging's bergauf, bald durch kahle Schläge, bald durch Wald. Die Bäume trugen silberne Gewänder, rauschten und sangen feine Mondscheinlieder. Von Ferne hörte man einzelne Hirsche orgeln. Es war eine weihevolle Brunftnacht. Aus bläulichen Schatten brachen Mondstrahlen gleich Hochzeitsfackeln hervor, oder ein Strauch stand lichtübergossen wie ein brennender Busch.
»Hörst du da drüben unter der Mauer?« fragte der Jagdherr flüsternd seinen Gast. »Das ist ein alter Herr. Da auch einer.«
Der Wald belebte sich. Man glaubte in einem Urwald zu sein, hoch, hoch über der Erde, weit, weit von der Welt. Das Fremdartige war anheimelnd, das Unbestimmte beruhigend. Unten war das Leben geblieben; in voller Freiheit, sehnsuchtsvoll harrte man des kommenden Momentes.