Die Polen feierten eben Ostern. Die Stadt inmitten der Wälle war voll gedrängtem Glockengeläut. Man betete und aß, aß und betete.

Herr von Cöldt holte Christiane vom Bahnhof.

»Hardi geht es nicht gut,« sagte er.

Sie begriff erst in diesem Augenblick, in welch ernstes Ehekapitel man sie hereingeholt hatte.

Hardi lag im Schlafzimmer. Sie war viel hübscher, als Christiane sie in Erinnerung hatte, ihr Profil zeigte eine pikante Mischung von Soubrettenhaftem und Sentimentalem. Sie warf dem Mann einen schnippisch koketten Vorwurf zu, der ihn zum Gehen zwang, und fing hinter ihm ein fürchterliches Weinen an. Christiane entdeckte jetzt, auf sie niederschauend, die Veränderung der Gestalt.

Hardi fuhr auf. »Bitte gib mir das Morphium.«

»Morphium nimmst du?« fragte Christiane, an die Mutter denkend.

Hardi warf einen Blick ringsum. »Schon lange.«

»Warum?« fragte Christiane herzlich, sich über sie neigend, »leidest du an Schlaflosigkeit? Oder was ist dir eigentlich?«

»Was mir ist!« Hardi lachte nervös auf. »Siehst du denn nicht, was mir ist – haha – –«