»Woraus schließt du das?«

»Weil ich nichts davon sehe. Nirgends. Nirgends. Und dann hat sie mir jeder anders erzählt. Und doch waren es immer dieselben.«

»Ich würde sie dir auch wieder anders erzählen,« sagte Christiane, »und siehst du, grade deshalb sind die Märchen wahr.«

»Weil jeder sie anders sagt?« Hanni verzog den schmalen Mund.

»Wenn du mit deinen Gefährtinnen im Wald spazieren gehst, dann sieht jede von euch dort etwas anderes. Die vielleicht die dicken Pilze zwischen dem welken Laub, die andere die Kröte am Weg, die dritte den Holunderbusch, die vierte vielleicht ein rotes Reh. Und wenn sie nachher vom Wald erzählen, dann denkst du an die Pilze, die andere an den Holunderbusch und die letzte an das rote Reh. Sieh, so ist das auch mit den Märchen. Gesehen hat sie jeder schon einmal, aber er hat nicht alles davon behalten, und so erzählt er immer nur weiter, was er daran am liebsten hat, denn das ist in seinem Herzen – – und dann ist es auch wahr –«

Hanni schien nicht ganz davon überzeugt.

»Sie sind doch erlogen,« sagte sie.

»Du, wir wollen einmal in den Garten.«

»In den Schulgarten?«

»Nein, in meinen. In den Schloßgarten.«