Als sie sich wandte, merkte sie, daß Hanni ein Bündelchen Handarbeit hervorgezogen hatte.

»Ich will was tun,« sagte sie.

Christiane erinnerte sich. Ja, Fräulein Mehlmann hatte ihre Nichte sehr gelobt. Von allen Lehrkräften, die sich um den dürftigen Geist bemüht hatten, war einzig Fräulein Mehlmann zufriedengestellt.

Und Hanni saß auch jetzt vor dem blauen Griechenmeer, von Vögeln umzwitschert, von Bäumen umrauscht, von einer Sehnsucht umworben, die ihr Herz suchte, und häkelte mit kühler Aufmerksamkeit Stäbchen um Stäbchen.

* * *

Mai Friedlein ging in den Stadtpark. Es war in der Mittagsstunde, als die Bürger zu Tisch waren. Auch in der Pension Dorreyter saßen sie jetzt beim Essen, aber die Jong war eingeweiht und entschuldigte Mai. Sie wußte von der Sache, hatte auch tüchtig gewarnt.

Mais Herz klopfte. Sie wußte selber, um was es ging.

Ein Rendezvous – nein, das überließ sie den Ladenmädchen und Kontorfräulein. Sie ging nur eben am Krähenteich entlang, weil – der Assessor von Wratislawski um dieselbe Zeit dort gehen wollte.

Er hatte sie auf der Straße gesehen. Dann war im Theater einmal die Gelegenheit zu einer Gefälligkeit gewesen. Er hatte sie aber nicht begleiten dürfen. Von da an kreuzte er fast täglich ihren Schulweg, kein Tag verging ohne seinen respektvollen Gruß, Woche für Woche strich so hin, Winter und Frühjahr und Sommer, und nun war es Herbst.

Jetzt mußte die Entscheidung kommen, das hatte Mai gefühlt. Ihr ganzes Herz hatte sich an die unerhörte Aussicht gehängt – wenn es doch würde – der Triumph – das Glück!