Er hatte ihr also ein Briefchen gesandt und darin ehrerbietig um eine Zusammenkunft gebeten, zugleich beklagend, daß ihm kein anderer Weg zu einer Aussprache mit ihr bliebe.

Ach ja, das war es.

Mai war überzeugt, daß sie bei ihrer Schönheit längst verheiratet sein würde, wenn nur ein korrekter Anknüpfungspunkt dagewesen wäre, eine Gelegenheit, bei der sie mit Herren hätte sprechen können. Aber so hatte jede ihrer Herzensgeschichten etwas vom Wagnis.

Sie pflegte aber als gute Tochter ihrer Mutter sofort Nachricht zu geben, wenn sich wieder etwas angebandelt hatte, und die kam dann sogleich mit dem nächsten Zuge an, um den Schwiegersohn zu besehen und die Angelegenheit ins Korrekte zu bringen. Leider war das bis jetzt noch nie geglückt.

Einmal da, einmal dort ein Aufblinken, eine Hoffnung und immer wieder – nichts.

Und jetzt – dies. Mai wußte, der Assessor war reich. Der konnte sich den Luxus leisten, das schönste Mädchen von Markburg zu seiner Frau zu machen. Und wenn er sich versetzen ließ – nach dem Westen oder nach Kiel – dann wußte dort kein Mensch, daß sie Lehrerin gewesen war. Und keiner, der die junge Frau von Wratislawski sah, würde von selber auf den Gedanken kommen.

Mais feines Marquisengesicht rötete sich ein wenig – sie sah ihn schon dort am Teich. Er hatte es eilig. Seine große Dogge, die ihm so ungeheuer ähnlich sah, war mit.

Unbefangen kam er auf sie zu. »Ich bin außerordentlich glücklich, mein gnädiges Fräulein – –«

Sah sie an.

Sie gingen auf und ab. Immer an der Seite des Teiches, an der die Büsche die Aussicht nach beiden Seiten sperrten. Durch das Gezweig der Hängeweiden hörten sie nur das Geraschel und Geplätscher der Wasservögel, das Gequarr der bunten Enten. Rauschend flog mal da, mal dort ein Tier auf.