Auf dem Wege lagen Kastanienhüllen und Blätter. Wie rote Hände schwebten da und dort Blätter heran. Der Himmel war hoch und blau.
Herr von Wratislawski wußte das sehr hübsch auszudrücken. Und Mai war dafür empfänglich, denn sie war sehr poetisch. Alle ihre verflossenen Verehrer hatten ihr ein künstlerisches Andenken hinterlassen dürfen, ihre Stube war voll von solchen zart elegischen Erinnerungen.
Jetzt war sie lebendig. Herren gegenüber kam sie gut aus sich heraus.
Ja, der blaue Himmel, die roten Blätter, der ferne Wald – sogar die leeren Kastanienschalen waren poetisch. Raschelnd fuhr ihr Fuß durch die Blätter.
Goldspuren zögen hinter ihr her, behauptete Herr von Wratislawski.
Seine Augen waren ganz rund. Seine Hand im prallen Glacé streifte die ihre. Er kam näher an sie heran.
Sie standen nun vor der offenen Fläche des Teiches. Der Himmel spiegelte sich im Wasser wie in Glas. Die Bäume umrahmten das blaue Bild. Das Wassergevögel hatte sich jetzt ziemlich auf die Schwaneninsel in der Mitte zurückgezogen, nur ein paar Entchen schwammen noch wie grüne Klümpchen in glitzernden Streifen da und dort.
Es war ganz und gar einsam.
Er kam noch näher an sie heran.
Lieblicher sei ihm noch kein Mai vorgekommen, als der an diesem Herbsttage, behauptete er. Wenn sie nur wüßte, wie er auf diese zarte Stunde geharrt hätte! Aber es sei ja so unendlich schwer gewesen – – und sie so kühl – –