Der Frühling wußte nicht viel zu zünden. Auf den Feldern hob sich ein riesiges, eintöniges Grün empor, die wilden, niedrigen Glacisbäume blühten. Die Warthe trieb gelbe Flut aus Rußland.

Christiane begriff, daß es schwer und seltsam war, hier zu leben. Sie kam nicht zum Klaren, ob Cöldts Versetzung eine zufällige war. Jedenfalls war er mit dem Mut der alten Kolonisten hergekommen, und sein Junkerblut drängte zum Kampf.

In Christiane war noch etwas von der freiheitlichen Abendstunde in den Bergen. Sie spürte den Osten wie einen fremden, starken Trank, mit dem sie fertig zu werden versuchte.

Sie schalt über Hardis Gleichgültigkeit. Ludwig gegenüber war sie erst unfrei, ihre Gedanken fielen ihn oft hinterrücks niedrig an. Dann wurde sie ruhiger und fast etwas beschämt.

Seine Art machte sich geltend.

Er besorgte ihr ein Pferd, und in freien Stunden ritt sie mit ihm bald junkerhaft durch die warmen, dampfenden Glaciswälder oder in die Felder hinaus, über denen die Windmühlen gingen.

Anfangs dachte Christiane noch an ihre bisherige Existenz, dann versank das.

Sie war aus einem Traum ins Wahre gekommen oder knüpfte an etwas an, das früher gewesen war.

In diesem flachen, unendlichen Lande war sie schon einmal gewesen, die Zügel in der Faust.

Über diese Straßen war sie schon einmal herrinnenhaft geritten, den Gesellen neben sich.