Es war ein Traum, der aus dem unendlichen Frühling dieser slawischen Unendlichkeit stieg. Es war doch Frühling.

Ludwig suchte sich auch literarisch zu informieren und brachte eine Menge polnischer Literatur an; Krasinski und sogar Kraszewski, vor allem aber Mikiewicz und Sienkiewicz.

Christiane las immer in einer gewissen Distanz, mit scharfem, jungem Denken und mit dem überlegenen Gefühl ihres reinen Germanentums, das dem slawischen Bruder das Leben und die Kultur im Herzensgrunde absprach.

Hardi beteiligte sich an diesen Erörterungen immer nur zeitweilig. Wenn sie wieder an ihren Zustand dachte, sanken ihr die Flügel, und sie saß wie eine Verurteilte.

Ludwig erzählte auf einem der Ritte von seinem Vorfahren, der mit Heinrich von Plauen gezogen war. Darauf begann Christiane von der Frau von Rhane zu sprechen, und er wurde aufmerksam und bat um die Blätter. Hardi hatte nichts davon erzählt.

Christiane wußte: sie war äußerlich keine Rhane, ihr fehlte die blonde, reinblütige Schönheit, wie sie im Grunde auch Hardi fehlte. Nur ihre Hände waren rhanisch. Ihre Hände waren die der Frau von Rhane.

Traumhaft ritt sie durch die maiheißen Straßen, die Mühlen gingen. Ihr Körper bog sich nach dem Rhythmus des Tieres, die Rhaneschen Hände regierten es.

Ihr Blut war das der Frau von Rhane.

Traumhaft sah sie in die maiblaue Ferne. Glühend, wie ein fallender Stern schoß es ihr durch die Seele. Wohin? Wohin? Zu wem?

»Ein Schicksal,« sprach Ludwig neben ihr.