Sie fuhr herum und sah ihn an.
»Unsere Mutter sagt: ›Schmutz‹.«
Er verzog den Mund und sagte: »Wir wollen zu den Mühlen.«
Sie trabten schneller, der Staub war wie lange Fahnen hinter ihnen. Mitten im Geklapper hörten sie Lerchenlaut. Sie trabten. In Christiane war der Rhythmus der Leonorenballade, ihr Blut sauste. Sie sah nichts mehr. Sie jagten.
Am Abend war ein Gast da.
Cöldts lebten sehr zurückgezogen, da Hardi sich gegen jeden Verkehr gesträubt und die gutmütig und neugierig teilnahmsvollen Kollegenfrauen beinahe brüskiert hatte. Sie hatte die Bilder ihrer Heimat um sich und unterhielt sich mit ihnen und schrieb heimwehkranke Briefe an die Mutter.
»Kraneis ist ein guter Kenner der slawischen Literatur,« sagte Ludwig.
Der Doktor war sein Studienfreund und als Assistent an der damals noch herzlich unfertigen Bibliothek tätig. Seine Stellung war auch unfertig. Er erwog immer die Aussichten, die sich ihm in dem sich nun langsam kultivierenden Posen eröffnen konnten, und schrieb zwischendurch Bewerbungsschreiben an alle Orte, in denen man einen Bibliotheksleiter suchte. So war sein Sinn auf jeden Fall zerspalten, und wenn er einmal fanatisch begeistert über die Kultivierung des Ostlandes sprach und nicht genug Opfer an deutschem Blut und deutscher Kraft erwarten konnte, wenn er sich in slawische Verhältnisse nachfühlend hineingrub, die östliche Seele ergründete, Polnisch lernte und Mikiewicz zitierte, so war er ein paar Tage später ganz und gar westlich gesinnt und redete mit Ausdauer und einem wahrhaft deutsch biederen Beamtentum von Elberfeld oder Mainz.
Christiane begann dieser Mensch zu interessieren und zu amüsieren. Sie getraute sich aber Ludwig gegenüber nicht viel darüber zu sagen, weil sie nicht wußte, wie weit dieses Freundschaftsverhältnis in die Tiefe ging.
Eines Tages suchte sie Bücher aus Ludwigs Bibliothek zusammen, weil Kraneis kommen sollte, und brachte neben Mereschkowski einen – Reiseführer durch Mainz, der ihr zufällig in die Hand geraten war. Ludwig sah ihn betroffen an – dann begriff er. Sie leise anblickend, sagte er mit einem feinen Lächeln: