Sie fühlte auf einmal: auch sie hing an ihrer Arbeit. Wenn sie gescheitert wäre, wenn es ihr irgendwie gegangen wäre, wie der Wehrendorf – – sie atmete heimlich auf – der häßliche Sturz war nahe gewesen – – dann hätte sie auch nicht mehr leben können. Ihr Werk hätte sie nicht zerbrochen und besudelt aus der Hand legen können. Sie fühlte auf einmal Fäden, die sie mit ihm verbanden, mit diesem allen hier, so fest, wie mit keinem anderen, weil Kampf daran hing, letzter Aufruhr, weil hier die Krisis gekommen war.
Sie starrte auf die Mädchenköpfe, und ihre Seele rang sich ganz fest an das Werk heran.
Man empfand wieder die alte Christiane Dorreyter, die im Übermaß ihrer schweren Kraft und ihres harten Erkennens ihre Leitsätze gegeben hatte.
Alle wußten, daß ihre Worte ein Vernichten des System Bartelmes bedeuteten und des Schiefen, das für die Leiterin daran gehangen hatte. Man konnte nichts mehr reden.
Leise gingen die Mädchen dann aus dem Saal – so leise waren sie selten gegangen.
Die Herren und Damen redeten nachher noch über die kleine Wehrendorf. Natürlich hätte ihr jeder beigestanden, wenn er es gewußt hätte.
Christiane sprach noch mit der Jong. Da kam ein Bote und gab ihr ein Telegramm.
Sie brach es auf und las: ›Hardi soeben verschieden.‹
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Es war zwei Tage später.