An Christianens Tür pochte es.
Es war das Brautpaar Dreher-Friedlein.
Sie gratulierte den beiden. Ihr Gesicht war ganz ruhig.
Der Oberlehrer sah an ihr herab, schrak ein bißchen auf, und es begann ihm zu dämmern, daß der Besuch jetzt zu dieser Stunde eine Taktlosigkeit sei. Aber im Übermaß seiner Freude hatte er an nichts anderes gedacht.
»Ich habe sie mir erobert,« sagte er mit bedächtigem Triumph, »seit dem Unglück hatte ich doch Angst bekommen, die Schule zehrt unheimlich an den Frauennerven – ich sah Mai im Traum wirklich auch am Krähenteich –«
Mai zuckte bei dem Wort zusammen.
»Ja, ich hänge sehr an meiner Arbeit,« sagte sie.
Er guckte sie von der Seite an. »Jetzt weiß ich freilich, daß du mich lieb hast, denn sonst würdest du sie wegen mir nicht aufgeben –! Das ist das Gute an den modernen Frauen,« wandte er sich an das Fräulein Doktor, »sie heiraten nur noch aus – Liebe.«
»Ja,« sagte Mai, »wir haben uns ja schon immer so gut verstanden.«
Dann zupfte sie ihn am Arm – die Mutter käme gleich. Ihr Telegramm war schon da.