Christiane trat in das kleine Haus. Der Sarg war schon geschlossen.

Sie hätte auch nicht danach verlangt, Hardi noch einmal zu sehen.

Sie ging nicht zu Ludwig hin, und er bemerkte sie auch weiter nicht. Leise war er um die Mutter beschäftigt, und Christiane erkannte wieder, was sie schon vorgestern gesehen hatte, als sie hinkam: die hatte alles verloren, ihr Bestes und Ähnlichstes. Vorgestern hatte sie Ludwig noch verwünscht und verflucht. Jetzt schien sie ruhiger.

Der Gottesacker lag hoch oben auf der anderen Seite des Berges, klein, freundlich, aber ohne viel Baumbestand. Die Kirschbäume reichten bis dicht heran.

Der Sarg versank.

Der erste Geistliche der Stadt hielt die Trauerrede, die erste Gesellschaft der Stadt wischte sich die Augen.

Ludwig starrte vor sich hin. Er hatte die schluchzende Mutter am Arm. Hinter ihm standen ein paar Rhanes, die grade auf ihrem Gut gewesen waren. Sie waren in Uniform, und Christiane mußte flüchtig an den längst verschollenen Potsdamer Tag denken.

Ludwig hatte noch immer kein Wort mit ihr gesprochen, hatte sie kaum gesehen.

Nachher mußte sie sich verabschieden. Die Mutter ließ sich kaum sprechen. Sie sah die älteste Tochter finster an, in ihren verstörten Zügen sprang unbewußt ein harter Wunsch auf: wärst du es – doch – wärst du's! Sie war wieder die, die sie in schweren Zeiten gewesen war.

Ludwig trat dann mit Christiane in das Hinterzimmer mit den roten Gardinen.