Sie wußte immer sicherer: sie konnte, konnte nicht, und hörte mit kaltem, arglistigem Herzen auf seine Worte.
Endlich schien er ihr verändertes Wesen zu erkennen und zu begreifen, daß er sich etwas verdorben habe. Er fand es aber nicht, sondern suchte im Gegenteil das ganze Bauerndörfchen nach dem Glück im Winkel ab und wurde dabei immer ratloser, bis ihn schließlich der Trotz überkam. Er war doch jetzt der Stadtbibliothekar von Mainz, ein wichtiger Herr, um den man sich reißen würde – was machte ihm die arme Lehrerin aus, die sich sperrte. Wenn's ihr eben nicht paßte, na, dann nicht, dachte er zweifellos.
Sie las hellsichtig in ihm.
Bald nahmen sie kalten Abschied.
Als Christiane in die Wallstraße kam, traf sie Ludwig schon im Eßzimmer ihrer wartend. Hardi schlief bereits.
Er sah sie in jäher, eigentümlicher Prüfung an.
»Der Abend allein ist das Beste,« sagte er dann langsam.
Sie zuckte zusammen.
Irgend eine Welle schlug von ihm zu ihr, sie spürte sie in jedem Nerv, im Innersten erschüttert. Auf einmal sah sie die verflossene Stunde klarer – – Kraneis – o, Gott!
Ihr Herz schlug.