Auf einmal wurde sie aufmerksam und winkte die in ihre Melancholie versunkene Hardi herbei.

In diesen Blättern lasen sie zum ersten Mal von der Liebe.

In den Tagebuchblättern und Briefen der Urgroßmutter, die dem schlesischen Adel entstammte, glomm eine ehebrecherische Sünde. Die Frau des Hofstallmeisters von Rhane hatte es mit einem Prinzen gehalten, der, wie sie, nachher recht tugendhaft und brav geworden war, aber mit einem Schuß nervöser Geistigkeit, und kein Glück in der Politik gehabt hatte. In den Blättern waren Glut, Zärtlichkeit und französische Verse. Dazwischen lagen später geschriebene Mutterbriefe an den Sohn im Kadettenhaus, das Fürstenpatenkind.

Es war auf einmal begreiflich, warum die jetzigen Rhanes sich plötzlich im Glanz und mit Majoraten aufgetan hatten: sie waren von ihrem Bluteinschuß getrieben.

Die Mädchen schauten sich an.

Über Hardis kleines, verweintes Gesicht flirrte es.

»Da sind wir – ja – auch – – –«

Die Mutter kam. »Was habt ihr da? Die Briefe? Ach, die Briefe –« Einen Augenblick hatte sie gestutzt. Dann nahm sie sie verächtlich zusammen: »Schmutzkram. Der kann fort.«

Christiane bat: »Gib sie mir.«

Sie packte sie in ihren Lehrerinnenkoffer.