Der Tag war verregnet. Das Bergland senkte sich nach Westen zu in so eigentümlicher Weise, daß es ihr vorkam, als ob der schwarze Zug mit seiner Menschenladung waghalsig am Rande der Erde dahinführe. Dünner und feiner wurde der Regen, noch ein Wirbel, ein flatterndes Ausfliegen der Tropfen, dann sank der Schleier, und darüber zog ein roter Himmel glühend auf, nahe, ganz nahe, nur eine lose, blaue Wolkenwand schwamm von unten herauf schwer vor ihm, wie die dampfende Sehnsucht der Menschen.

Neben Christiane schob sich eine Hand vor: »Entschuldigen Sie, das Fenster zittert echal so – darf ich mal –«

Und die Scheibe wurde gerückt.

»So,« klang die Stimme weiter, »fahren Sie auch bis Chemnitz?«

»Ich fahre noch weiter.«

»I gor, i gor – –«

– – Das Feuer stand noch drüben. Wie hundert goldene Fackeln lohte es vor dem armen Land. Wie ein rosenrotes sicheres Geheimnis stand es am anderen Ufer, von den dunklen bebenden Wünschen der Menschen zitternd umdünstet. Wie ein offenes Tor stand es da und hundert und hundert Schritte waren nur noch bis zu ihm.

Der Zug aber sprang jetzt wie ein Tier, das die Peitsche fühlt. Ein Klirren ging durch ihn, ein Ruck traf Rad um Rad – und Rad um Rad wandte sich gehorsam.

– – Das Feuer war nicht mehr da.

Nur ein schmaler verblichener Schein stand fern, wie von einer Tür, die zugeschlagen wird.