– – Christiane konnte nicht schlafen. Nacht für Nacht ging das stumme Weinen der Nachbarin. Christiane wollte manchmal rufen, fragen, die anderen wecken, aber sie wagte es doch nicht: es war für die Verzweifelte die einzige Stunde, in der sie allein zu sein glaubte – allein!

Stundenlang zitterte das Bett. Stundenlang liefen Christianens krause Gedanken zur Mutter zurück und zu der Frau von Rhane. Sie sah die blonde Familienschönheit und wieder die Frau von Rhane.

Blau schien die Mondnacht. Ein ungewisses Raunen scholl: der See. Ein Flimmern stand fern: die Berge.

Die Französin schnarchte mit spitz gehobener Nase, die Miß hatte ihr Haar stramm geflochten und den abgebundenen Zopf an den Bettpfosten gehängt. Das Lager der Holsteinerin hob sich in schweren, krampfhaften Stößen – –

Christiane dachte an die Frau von Rhane.

Eines Morgens sagte die Wehrendorf: »Du, deine Schwester wird ja heiraten –!«

Christiane starrte sie an. »Hardi!« Sie hob die Hand zur Stirn. »Hardi!«

»Ja, ja,« sagte Ada hinterhältig.

Christiane dachte nach. Die Mutter hatte angefangen, Hardi gewaltig mit Eiern und Peptonen zu füttern, denn zum Herbst sollte sie auf ein anderes Seminar.

Christiane schrieb eine scherzhaft vorsichtige Anfrage. Sie wußte, es war Unsinn. Wen sollte Hardi kennen bei dem Leben, das sie führten. Wen? Wen?