Die Antwort kam, und die Mutter entschuldigte sich und Hardi. Es war auch gradezu romanhaft. Auf der Straße hatte ein Herr von der Regierung Hardi gesehen und verfolgt, dann war korrekte Bekanntschaft daraus geworden. Er hatte Besuch gemacht. Sie mußten ihn einladen. Die Mutter knüpfte beunruhigte und bestürzte Bemerkungen daran.
Nach drei Wochen kam die Anzeige: Hardi Dorreyter und Ludwig von Cöldt, und die Mutter schrieb hoffnungsvoller. Die Verhältnisse seien ja gut. Es sei wohl das beste für Hardi. Zum Herbst wäre Cöldt nach Posen versetzt und wolle vorher heiraten. Er sei sehr verliebt.
Christiane dachte an die Peptone.
Sie schrieb an die Schwester und bekam einen kleinen, halb verlegenen und halb triumphierenden Brief. Fräulein Schmöckler hatte die Anzeige bekommen!
Christiane konnte an der Hochzeitsfeier nicht teilnehmen, denn sie bekam keinen Urlaub, auch das Reisegeld hätte gefehlt. Sie sandte ein Telegramm und durfte es selbst zur Post bringen.
Sie ging an roten Ranken vorbei und sah blaues Wasser und unwahrscheinlich weißes Getürm in der Höhe. Eine gebogene Straße lief in die Ferne hinein.
Nachher mußte sie Schrankrevision halten, fand sehr viel Schokolade und ein Dutzend illegitime Liebesbriefe.
Die Depesche war längst in der Hochzeitsgesellschaft.
Im Winter gab es Tanzstunden, Faschingfeste, Theateraufführungen und Schlittenfahrten. Die Wehrendorf erfror sich in ihrem Glaskäfig die Zehen und wurde in einem Badezimmer einquartiert. Sie hieß jetzt ›die Seejungfrau‹.
Christiane erhielt Botschaft aus Posen. Die Mutter war zu Weihnachten dort.