Darinnen lagen aber auf sauber gezacktem Papier Schinken und Würste, Kuchen und Plätzchen, Tütchen und Schachteln, Obst- und Marmeladebüchsen.

Fräulein Mehlmann griff hastig etwas heraus, roch daran, zog die Nase kraus und murmelte: »Das muß bald gegessen werden ...«

Dann wandte sie sich an Christiane:

»Sie sehen, das ist meine Speisekammer. Ich muß das haben und hab' mir deshalb auch den großen Ofen setzen lassen. Wenn ich aus der Schule komme, probiere ich mal das, mal dies – ich will ja der ausgezeichneten Küche der Frau Hauptmann durchaus nicht zunahe treten, aber am besten schmeckt halt, was man sich selber gekocht hat ... Ich kann nicht anders: Ich muß wenigstens dann und wann wirtschaften! Möchten Sie nicht meine selbstgebackenen Knusperchen probieren, Fräulein Doktor –?«

»Und hier« – mit einem Ruck griff sie ganz tief in den Schrank – »hier ist noch etwas Besseres ... ein Likörchen! Selbstgemacht, ja, natürlich! Noch nach dem Rezept von zu Hause! Ein Schlückchen ... ja ...? Was, Sie danken, Fräulein Doktor? Gar nichts wollen Sie annehmen? Ein Schlückchen doch wenigstens ... die anderen Damen nehmen es so gern – Wenn Sie nur hören könnten, wie die es immer loben ... Na, denn ein andermal ... andermal, gewiß, nicht wahr – –?«

Christiane beruhigte sie und stand auf.

Wie war das hier so warm und familienhaft!

»Wirklich kein Likörchen?« bettelte das Fräulein noch einmal.

Sie mußte zusehen, daß die Damen ohne Stärkung gingen.

Draußen flüsterte die Mutter: »Nun schnell zur Haberkorn – die hat doch schon sicher was gemerkt.«