Als die Tür aufging, fiel Christianens Blick sofort wieder auf den Kater. Er stand mit fröhlich gehobenem Schwanz inmitten eines blanken, kahlen Fußbodens und leckte sich die Lippen.

Die Oberlehrerin schien doch etwas zusammenzufahren.

»Ach,« sagte sie ärgerlich, »verzeihen Sie nur, das Tier hat sich hierher verirrt – ich pflege es sonst nicht. Mir bleibt keine Zeit dazu.« Sie deutete auf ihren Schreibtisch. »Gegenwärtig bin ich mit einer Geschichte der Sophie-Reutterschule beschäftigt ... fürs Jubiläum im nächsten Jahr.« Sie ging an die Tür und jagte den Kater hinaus.

»Marsch, marsch – –«

Das Tier quietschte leise auf.

»Ja, also das fünfzigjährige Jubiläum,« sprach sie zurückkehrend, während sie Christiane ins Gesicht sah und jeden Zug in ihm und jede Falte ihres Kleides studierte, »wir werden doch eine große Feier veranstalten müssen. Mit Herrn Professor Diermann habe ich neulich schon über das Programm gesprochen. – Ich meine – – vor den Ferien,« setzte sie rasch hinzu.

Christiane sagte nicht viel.

Sie las in den Augen das wehrhafte Unterlegensein, die echte Frauenfeindschaft.

Der Raum war der beste der ganzen Etage, denn die Fenster gingen nach dem Springbrunnen hinaus, und der grüne Rasen schien herein. Christiane erkannte die wertvollsten Sachen ihrer Mutter, die noch Rhaneschen Stempel trugen, aber sie waren nüchtern gestellt und hatten durch viele Nippsachen, Bilder und scharfgelbe Gardinen einen kleinbürgerlichen Anstrich erhalten.

Keine Phantasie, dachte Christiane, kulturlos, ganz kulturlos.