Sie war seine Frau.
Und dann kamen wieder die Stunden, in denen sie mit ihrem furchtbaren Leiden kämpfte. Und die Wochen, in denen es nicht besser werden wollte und Arzt auf Arzt ins Haus kam und die Krankenluft durch alle Zimmer drang. Aber er war getrost: er hatte ja das Kind.
In der Zeit war Christiane für ihn verschwunden.
Geduldig ließ er Hardi von Bad zu Bad reisen, begleitete sie zu verschiedenen Kuren, geduldig nahm er es hin, daß sie immer und immer schonungsbedürftig blieb – es war ja noch Licht da, eine rührende Kostbarkeit, ihr Liebesopfer.
Bis ihm allmählich der Charakter des Kindes klar wurde, bis die Züge sich unerbittlich zusammenfügten, bis das Erkennen überhaupt über ihn kam und er alles – begriff. Das Kind gehörte ihm im Herzen nicht, so wenig wie die Mutter im Herzen aufrichtig sein gewesen war; es verriet in seiner Art allen inneren Widerstand, alle Starrheit, alles feindliche Muß; es liebte keinen.
Und nun ging das Leben weiter. Wie ein Gewicht hing sich Hardi an ihn, nahm ihm sein liebstes Werk, und die Leute fanden es ehemännisch korrekt, daß er es gab. Er kehrte in die Stadt zurück, in der keine besondere Leistung ihn erwartete, aber die kranke Frau hatte hier einen harmlosen Zeitvertreib in ihrem Verein, ein flaches Sichbeschäftigen mit dem Kind und den Haushaltsdingen und fühlte sich im Grunde ganz behaglich.
Sie verlangte nichts weiter, als Rücksicht, Rücksicht.
Und er?
Er war in der ganzen Zeit nie vom Wege abgewichen.
Jetzt kam er an sein Haus zurück und sah, daß Hardis Zimmer schon dunkel war.