Im Eßzimmer räumten noch die Mädchen und das Fräulein. Sonst war alles still.
Er ging in sein Zimmer und machte Licht. Er wollte noch ein Buch holen und griff einen bekannten Band.
Der Abend – allein – dachte er bitter.
* * *
Gesenkten Kopfes und sehr hurtig ging die kleine Wehrendorf nach dem Reutterschloß. Ein wenig stolz war sie schon, aber das Bangen ließ sie nicht los.
Ihre Gesundheit war so sehr schwach. Der Husten blieb und blieb und störte nachts die Jong, obwohl die es nicht wahr haben wollte.
Das kam von den vielen heimatlosen Jahren. Nach den verschiedenen Stellungen gab es immer nur ein angstvolles Intermezzo in irgend einem Heim oder Hospiz, ein unruhiges Zählen des Geldes – wie lange reichte es noch? Ihre Aussichten wurden immer ungünstiger. Sie wußte, wenn sie diesmal nicht festwurzelte, anderswo kam sie nicht mehr an, dann war sie zu alt. Und neuen Kampf, neues Sicheinrichten hielt ihr Körper auch nicht mehr aus.
Christiane hatte ihr eine junge und kleine Klasse gegeben. Nein, da war es nicht schwer. Diese achtjährigen Dinger waren so sanft und niedlich, das Herz wurde ihr immer wärmer bei ihnen – irgend etwas stieg aus ihrer Seele herauf, das klammerte sich gierig an sie. Abends konnte sie schweigsam sitzen und an die eine oder die andere denken, jedes Lächeln, jedes reine Wort, jeden lieblichen Kinderblick vergegenwärtigte sie sich dann – von oben bis unten war sie in Wärme gehüllt.
Sie schaute auf. Da kam Fräulein Friedlein. Wie leicht die ging, und wie schön sie aussah. Da kam ja auch ein Herr, der sie grüßte, ein großer, schwarzer – häßlich war er – aber sie schienen sich doch wohl ganz gut leiden zu können –?
Er blieb sogar stehen und sah ihr nach.