Der Fürst hatte daher nach dem Tode seines Bruders, des rechtmäßigen Thronfolgers, den ältesten Sohn desselben, den Prinzen Albert, als seinen Nachfolger den Ständen des Reichs bezeichnet, der seitdem als der künftige Regent betrachtet wurde. Diese Bestimmung entsprach zwar dem Staatsgesetz; es fragte sich jedoch, ob sich das Volk zu derselben Glück wünschen durfte. Leider wurde diese Frage im Allgemeinen verneint, und mit nicht eben geringer Besorgniß sah man dem Augenblick entgegen, in welchem Prinz Albert den Thron besteigen würde.

Das bisherige ausschweifende Leben des Prinzen, seine Abneigung für ernste Staatsgeschäfte, noch mehr sein leichtsinniger, jähzorniger Charakter, der sich eben so wechselnd wie seine Neigungen und Launen zeigte, die übelste Schwäche eines Fürsten, Schmeichlern und Heuchlern gern Gehör zu schenken, waren wenig geeignete Momente, um zu der Erwartung zu berechtigen, ein mit dergleichen Schwächen und Fehlern behafteter Mann könnte einst ein guter Regent werden.

Alle die genannten Fehler und vielleicht noch andere mehr waren dem Prinzen eigen, die sich mit dem Augenblick gewiß noch erhöhten, in welchem er sich als einstigen Regenten betrachten durfte. Nicht nur wurde ihm eine namhafte Apanage bewilligt, die ihm die Mittel gewährte, seinen übeln Neigungen nachzugehen, sondern dem künftigen Regenten standen auch alle Kassen offen, und die Geldleute drängten sich an ihn, um sich der Ehre zu erfreuen, denselben unter die Zahl ihrer Schuldner zählen und daraus die besten Vortheile für die Folge ziehen zu können. Der herabgekommene und verarmte Adel, die aus fremden Ländern nach der Residenz geströmten Parvenus, welche daselbst Carrière zu machen hofften und zu denen besonders Paris ein namhaftes, in alle Ausschweifungen eingeweihtes Contingent lieferte, reihten sich den Geldleuten an. Diese Leute drängten sich in die Nähe des Prinzen, um nicht nur sein genußvolles Leben zu theilen, sondern sich ihm auch durch allerlei gewünschte Dienste zu verbinden und diesen fester an sich zu fesseln, um dereinst durch einträgliche Staatsämter ihren zerrütteten Finanzen und dem verblichenen Glanz ihres Hauses aufzuhelfen.

Daß die Frauen dabei eine sehr wichtige Rolle spielten, darf kaum bemerkt werden, und des Prinzen Freunde waren bedacht, seine Vorliebe für dieselben in ihrem eigenen Nutzen zu verwerthen, indem sie ihm nicht nur die galanten Damen des Ballets, sondern auch selbst diejenigen aus ihren eigenen Familien zuführten.

Eine Schaar verführerischer Odalisken hatte sich an des Fürsten Hof gedrängt, und es gehörte nicht zu den Seltenheiten, an einem und dem andern deutschen Hof eine zweite Madame Pompadour zu finden, der, wie am Hofe Ludwig des Fünfzehnten, die rechtmäßige Gemahlin hintenan gesetzt wurde.

Es war damals Hofton, das Beispiel des französischen Königs nachzuahmen, indem man, über jedes Sittengesetz erhaben, dergleichen eben so kostspielige als verderbliche Einrichtungen als selbstverständlich betrachtete, wie man dies hinsichts einer herrschenden Mode zu thun pflegt. Ja, man war nur zu sehr geneigt, diejenigen zu bespötteln, welche die Moral über die gebräuchliche und als vornehm und fürstlich bezeichnete Sitte zu stellen sich bewogen fühlten.

Es darf kaum bemerkt werden, daß die letztere sich nicht auf die Höfe allein beschränkte, sondern in alle Schichten der Gesellschaft drang und so die besseren und edleren Gefühle untergrub.

Die Genußsucht bedurfte zu ihrer Befriedigung Mittel, und so war alles Thun und Trachten auf die Beschaffung derselben gerichtet, um sich der ersteren nach Wünschen hingeben zu können. Alle Wege, dieselben mochten noch so verwerflicher Art sein, wurden dazu eingeschlagen, gleichviel, ob dabei die Ehre verunglimpft, die Unschuld geopfert und die heiligsten Bande zerrissen wurden.

Die Selbstsucht frägt nicht nach den Mitteln zur Erreichung ihrer Zwecke, und diese war damals in erschreckender Weise ausgebildet.

Der Oheim des Prinzen hatte selbst eine stürmisch durchlebte Jugend hinter sich und war daher an den herrschenden Ton gewöhnt und weit entfernt, die Menschen, die er wenig achtete, bessern zu wollen. Ein Freund der Wissenschaften und obenein Cyniker, lagen ihm dergleichen Bestrebungen fern. Trotzdem war er ein vortrefflicher Regent und bei dem Volk beliebt.