Unter den angegebenen Umständen wird es daher natürlich erscheinen, daß der Fürst die Ausschweifungen seines Neffen übersah, der eigenen Jugend gedenkend und im Hinblick auf den herrschenden Zeitgeist.

Mit der Zeit jedoch, als sich des Prinzen zügelloses Leben steigerte, machte sich in ihm die Sorge für die Erbfolge geltend, da dieselbe lediglich auf seinem Neffen ruhte und, falls dieser kinderlos starb, auf eine Nebenlinie des fürstlichen Hauses übergehen mußte.

Das wäre dem Fürsten jedoch sehr unwillkommen gewesen, und darum war es sein Wunsch, seinen Neffen sobald als möglich verheirathet zu sehen. Er verband damit zugleich die wohlmeinende Absicht, den Letzteren dadurch seinem Treiben zu entziehen und durch die Liebenswürdigkeit seiner Gemahlin und das Familienleben einem würdigeren Streben zuzuführen. Denn trotz der seinem Neffen geschenkten Rücksicht übersah er dennoch die Nothwendigkeit nicht, daß der künftige Regent sich mit der Staatsverwaltung näher vertraut mache, um dereinst nicht lediglich von den Ministern und Staatsdienern abzuhängen.

Und so geschah es, daß, nachdem er den Prinzen in einer vertraulichen Unterredung auf alle die näher bezeichneten Umstände eindringlich aufmerksam gemacht hatte, er zugleich den bestimmten Willen aussprach, derselbe sollte sich sobald als möglich vermählen.

Waren dem Prinzen die Vorstellungen seines Oheims, sich um die Staatsgeschäfte fleißiger und anhaltender zu kümmern, schon unangenehm, so widerstrebte ihm der Gedanke einer Vermählung noch viel mehr, indem er in derselben das unwillkommene Hinderniß erblickte, seinen Neigungen unbeschränkt nachgehen zu können.

Der Prinz stand damals in dem vierundzwanzigsten Jahre, war ein kräftiger, schöner Mann, dem die Frauenherzen entgegen schlugen, durch und durch ein Sinnenmensch, dessen Dichten und Trachten lediglich auf die Befriedigung seiner lebhaften Triebe gerichtet war: wie sollte ihm da eine Gemahlin erwünscht sein! —

Doch der Wille seines Oheims gestattete keinen Widerspruch, ebenso erkannte er die Nothwendigkeit der Vermählung, und unterwarf sich daher, wenngleich mit großer Ueberwindung, der getroffenen Bestimmung, jedoch mit dem beruhigenden Vorsatz, sich durch seine künftige Gemahlin in seinem Treiben keine Beschränkung auferlegen zu lassen.

Sein Leichtsinn fand hierin keine Bedenken und war weit entfernt zu erwägen, welche Rücksichten er gegen seine künftige Gattin zu nehmen verpflichtet sei, und welche Berechtigung sie auf dieselben durch die Vermählung mit ihm erhielt. Von ehelichem Glück hatte der Prinz überdies keine Vorstellung, denn ihm war ein solches weder an den Höfen noch unter andern Verhältnissen bekannt geworden und hatte etwa seine Aufmerksamkeit beansprucht. Er betrachtete daher seine Vermählung lediglich als eine Staatsangelegenheit, was sie, wie ihm bekannt, in vielen andern Fällen auch nur war. Daß dabei das Lebensglück der Erwählten in Frage gestellt wurde, war ihm ziemlich gleichgiltig. Seiner Ansicht nach waren die Frauen lediglich nur dazu auf der Welt, um den Zwecken der Männer zu dienen.

Als der Prinz seinen Freunden die Absicht des Fürsten mittheilte und sich ihnen lachend als baldigen Ehemann vorstellte, antworteten ihm cynische Scherze, Unglauben und die Besorgniß, daß es nun mit dem schönen freien Junggesellenleben ein Ende nehmen würde, worauf der Prinz sie mit der Versicherung beruhigte, auch als Ehemann sein genußreiches Leben unverändert fortsetzen zu wollen und zwar im Verein seiner alten, ihm so liebgewordenen Freunde.

Lauter, beifälliger Jubel ertönte auf dieses, wie man es nannte, würdige Versprechen, und die Stunde wurde zum Dank dafür und zu Ehren des Prinzen unter den raffinirtesten Genüssen hingebracht, gleichsam um die Kostbarkeit derselben dem Gemüth des hohen Freundes noch tiefer einzuprägen und sein Begehren nach dessen Wiederholungen wo möglich noch zu steigern.