Die Sorge um des Prinzen künftige Gemahlin hatte der Fürst auf sich genommen, nachdem sein Neffe die Billigung dazu um so lieber ausgesprochen hatte, da er weder irgend eine Fürstin bevorzugte, noch auch die Lust fühlte, die Wahl nach seinen eigenen Neigungen zu treffen. So ließ denn der Fürst durch einen Vertrauten nach einer geeigneten Dame forschen, und der Ruf von Sidoniens vortrefflichen Eigenschaften bewog denselben, auch des Herzogs Hof zu besuchen. Es bedurfte nur einer kurzen Beobachtung von Seiten des Agenten, um zu erkennen, daß so viele Schönheit und Liebenswürdigkeit, wie er sie bei der Prinzessin zu bewundern Gelegenheit fand, des Fürsten Beifall erhalten müßte, und er beeilte sich daher, diesem mitzutheilen, daß die Wirklichkeit das Gerücht in Bezug auf Sidonie noch bei Weitem überträfe. Seinem Bericht von dem vortrefflichen Charakter der Prinzessin an den Fürsten wurde das Portrait derselben beigefügt, und beide gewannen sich den Beifall des Ersteren in so hohem Grade, daß dieser sich beeilte, den Prinzen sofort damit bekannt zu machen und ihm Sidonie zugleich als seine künftige Gemahlin vorzuschlagen. Das liebliche Portrait verfehlte seine Wirkung auf den Prinzen nicht; dasselbe gefiel ihm in so weit, als es ihm den Genuß einer so reizenden Mädchenblüthe begehrenswerth machte und ihn die in dem Bilde sich kundgebende Unschuld und Anspruchslosigkeit zugleich mit der Voraussetzung erfüllte, er würde in Sidonien die einfache, duldsame Gemahlin finden, wie er sie eben im Hinblick auf seine Neigungen bedurfte.

Er gab daher dem Fürsten seine Zustimmung zu der getroffenen Wahl zu erkennen, und der Erstere, erfreut, seinen Wunsch so schnell und in so befriedigender Weise erfüllt zu sehen, ließ die weiteren Verhandlungen durch den Agenten betreiben.

Der Herzog, durch den Letzteren sogleich mit des Fürsten Werbung bekannt gemacht, erklärte sich gern damit einverstanden, da dadurch zugleich seine eigenen Hoffnungen und Wünsche in der besten Weise erfüllt wurden.

Bald waren die beiden Höfe zu dem vollsten Einverständniß in dieser Beziehung gelangt und es war nur noch erforderlich, die künftigen Gatten mit einander persönlich bekannt zu machen. Um diesen Zweck zu erreichen, lud ein gütiges Handbillet des Fürsten den Herzog mit seiner Familie an den Hof, indem der Erstere zugleich die Hoffnung aussprach, bei dieser angenehmen Gelegenheit das Fest der Verlobung feiern zu können.

Erst jetzt fand es der Herzog für gut, Sidonie mit dem Geschehenen bekannt zu machen und ihr zugleich seine Freude über das Glück auszudrücken, welches ihr durch eine so glänzende Stellung, die künftige Regentin eines mächtigen Staates zu werden, geboten wurde. Zugleich händigte er ihr des Prinzen Portrait mit dem Bemerken ein, daß ihr künftiger Gemahl nicht nur ein angesehener Fürst, sondern auch ein schöner Mann sei.

In der tiefsten Seele dadurch erschüttert, stand Sidonie bleich und wortlos vor ihren Eltern, die sie mit Ueberraschung anschauten und dadurch zu erkennen gaben, wie wenig sie mit ihrer Liebe zu dem Grafen bekannt waren.

Ihr Befremden steigerte sich, als Sidonie bestimmt erklärte, den Prinzen nicht heirathen zu können und von dessen Portrait nicht im geringsten angenehm berührt worden zu sein.

Der Herzog forschte nach den Gründen ihrer Abneigung und wurde ungehalten, als Sidonie den Wunsch aussprach, nur dem Gatten ihrer Wahl angehören zu dürfen, eine Abneigung gegen den Prinzen zu empfinden und eben so wenig das geringste Verlangen nach der ihr in Aussicht gestellten glänzenden Stellung zu hegen.

Ihre Vorstellungen waren jedoch vergebens. Der Herzog erinnerte sie, daß ihr Herz den großen Vortheilen gegenüber, die diese Verbindung mit dem angesehenen Fürstenhause seiner Familie verschafften, unmöglich in Frage kommen könne, er dem Fürsten bereits seine Zustimmung zu dieser Vermählung zu erkennen gegeben habe, eine Weigerung von ihrer Seite daher nicht mehr gestattet sei. Er vermochte nicht einzusehen, daß ein so schöner Mann, wie der Prinz, ihren Beifall nicht gefunden haben könnte, und so schloß er seine Erörterungen mit dem bestimmten Verlangen, Sidonie möge sich in die Lage finden und auf die gewünschte Zusammenkunft mit dem Prinzen vorbereiten.

So jäh und unvorbereitet aus ihren süßen Hoffnungen gerissen, das Herz mit aller Innigkeit an ihre Liebe gefesselt, stand Sidonie betäubt, vernichtet, rathlos da.