»Sie wünschen es?« fragte Sidonie erfreut und verschämt.
»Bedarf es meiner Versicherung?«
»O, nein, o, nein! und ich gestehe Ihnen, Ihr Wunsch erfreut mich auf das Innigste. Weiß ich doch nun, daß Ihr Auge bisweilen die Züge der Freundin suchen wird, um — um sich ihrer zu — erinnern,« fiel Sidonie wehmüthig ein.
In der Ferne ließ sich in diesem Augenblick ein Kammerdiener sehen, der auf dem Weg zu ihnen und wahrscheinlich von der Herzogin abgeschickt worden war, die Prinzessin mit dem Gast nach dem Schloß einzuladen; es war daher die schnellste Sammlung nothwendig, wollten sie sich nicht verrathen und in der erforderlichen unbefangenen Stimmung der Herzogin gegenüber treten.
Aurelie begann sogleich ein Gespräch, an welchem die Prinzessin und der Graf, so viel es ihnen ihre Empfindungen gestatteten, Theil zu nehmen sich bestrebten.
Sidonie, von der Aussicht auf das Innigste beglückt, in den Besitz von des Grafen Portrait zu gelangen und wenigstens in solcher Weise einen Ersatz für das verlorene Glück zu erhalten, war ruhiger geworden, und über das bleiche, wehmüthige Antlitz hatte sich ein Zug stiller Freude gebreitet. Ohne eine Ahnung der Leiden, welchen sie entgegen ging, war dieser Gedanke schon hinreichend, ihr Herz mit sanftem Trost zu erfüllen.
Und so geschah es, daß sie der Herzogin ziemlich gesammelt entgegentrat und diese sie mit sichtlichem Wohlgefallen darüber empfing.
Eine Stunde ging ihnen in der Unterhaltung dahin, an der sich die gesprächige Herzogin und Aurelie vorzugsweise betheiligten; alsdann schied der Graf, und zwar mit der schmerzlichen Gewißheit, Sidonie in der nächsten Zeit nicht zu sehen, da die Herzogin ihren baldigen Besuch an dem fürstlichen Hofe angedeutet hatte.
Drittes Kapitel.
Ungefähr eine Woche nach des Grafen Besuch trat der Herzog die beabsichtigte Reise an. Auf den Wunsch des Fürsten beeilte er dieselbe, da er überdies die ruhigere und ergebenere Stimmung der Prinzessin in seinem Interesse benutzen zu müssen glaubte. Nach der letzten Unterredung mit dem Grafen hatte Sidonie sich nämlich bereit erklärt, dem Verlangen ihres Vaters nachzukommen, so wie sie sich seit diesem Augenblick allen Anordnungen in dieser Angelegenheit willenlos unterwarf. Diese so sehr gewünschte Aenderung erfreute den Herzog auf das Höchste, und von der Voraussetzung erfüllt, daß das bewegte Leben an dem fürstlichen Hofe und die neue, so glänzende Stellung, welche Sidonie einnehmen sollte, ihren guten Einfluß auf diese bestimmt ausüben würden, blieb ihm die Ahnung von dem schmerzlichen Verzicht fern, zu welchem sich die Prinzessin entschlossen hatte. Um so mehr beglückte ihn daher der Gedanke, in so erwünschter Weise für sie gesorgt zu haben.