»Wie beglückt es mich, theure Prinzessin, dies Alles aus Ihrem Munde zu vernehmen und Ihnen gestehen zu dürfen, daß meine Einsamkeit in der Fremde stets durch die Bilder der Heimath belebt worden ist,« entgegnete der Graf, indem sein Auge dem ihrigen voll Innigkeit begegnete.
»Ich wußte es ja!« fiel Sidonie ein und fügte hinzu: »Welche wundersame Kraft hat dieses Wiedersehen! Mir ist, als wäre ich dadurch mir selbst wiedergegeben worden und meine gefesselte Seele hätte Flügel der Freiheit gewonnen, um sich über alles Erdenleid fortzuschwingen! Mit wie ganz anderen Empfindungen gehe ich jetzt dem mir sonst so unangenehmen Empfange entgegen, da ich weiß, daß ich dabei meinen lieben Freund wiedersehen werde!«
»So laß mich ihn zurückführen, ehe der günstige Augenblick uns enteilt,« fiel Aurelie mit Besorgniß ein.
»Muß es sein?« fragte Sidonie rasch und besorgt.
»Du kennst die Gründe meines Drängens. Wir müssen jede Vorsicht beobachten,« bemerkte Aurelie.
»Du hast Recht! Sei es denn, und so leben Sie wohl, mein Freund,« sprach Sidonie und war eben im Begriff, dem Grafen die Hand zu reichen, als man das rasche Heranrollen eines Wagens vernahm, der gleich darauf an dem Palais still hielt.
»Das ist der Prinz! Fort, fort in Dein Gemach!« rief Aurelie erschreckt, während sie zugleich des Grafen Hand ergriff und ihn eilig nach dem Blumenzimmer zog.
Kein Lebewohl wurde gesprochen. Gleich einem gescheuchten Reh eilte Sidonie in ihr Zimmer, und ehe sich noch die Thür hinter ihr schloß, hatte Aurelie mit dem Grafen bereits das Blumenhaus erreicht. Dieses sowie die anderen Gemächer wurden hastig und schweigend von ihnen durchschritten, und wenige Augenblicke darauf befanden sie sich in dem Wohngemach der Dame.
»So, jetzt ist Alles gut!« sprach Aurelie tief aufathmend. »Sie ist unbemerkt in ihre Gemächer gelangt; wir haben nichts zu besorgen! O, wie freue ich mich, daß es uns gelungen ist; denn ich habe nur zu wohl erkannt, wie nothwendig diese Zusammenkunft war, sollte sich Sidonie nicht verrathen.«
»Ich theile Ihre Empfindungen, meine theure Freundin, und mein Dank für Ihre Güte ist darum um so heißer. Nichts von dem schmerzlichen Eindruck, den ich von Sidonien empfangen habe. Die Wirklichkeit hat alle meine Erwartungen übertroffen. O, sie ist ja nur noch ein Schatten dessen, was sie einst war!« sprach der Graf in kummervollem Ton.