»So ist es!« seufzte Aurelie und fügte alsdann hinzu: »Doch die Zeit drängt, daher kein Wort mehr! Sie müssen mich sogleich verlassen; Ihr längeres Hiersein in dieser Zeit würde Aufsehen erregen, auch bin ich nicht sicher, durch den Besuch einer der hier wohnenden Hofdamen überrascht zu werden. — Also auf Wiedersehen morgen bei Frau von Techow, mein Freund!« Sie reichte dem Grafen die Hand, die dieser herzlich drückte und sich alsdann entfernte.
Niemand außer Aureliens Dienerin bemerkte sein Fortgehen.
Das Fräulein beobachtete ihn durch das Fenster, um sich zu vergewissern, ob er irgend etwa einer Person von Bedeutung begegnete. Dies war jedoch nicht der Fall, sondern der Graf erreichte unbemerkt die an dem Platz vorüberführende Straße, welche er verfolgte und bald ihren Blicken entschwand.
Durch alle diese Umstände noch mehr beruhigt, ging sie an ihre Toilette, da die Stunde des Empfanges nahte.
Sie hatte sich in ihrer Voraussetzung von des Prinzen Ankunft nicht getäuscht; derselbe war so eben angelangt.
Zitternd und schweißbedeckt von der übermäßigen Anstrengung hielten die Pferde vor dem Palais. Der Prinz hatte, um noch zu guter Zeit daselbst einzutreffen, den mehre Meilen langen Weg von der Residenz in der höchsten Eile zurückgelegt.
Er hatte während der Fahrt geschlafen und erwachte erst, als der Wagen still stand.
»Sind wir da?« fragte er seinen Begleiter und persönlichen Adjutanten, den Major, Baron von Mühlfels. Dieser bejahte. Ziemlich schwerfällig stieg der Prinz aus dem Wagen und ging gähnend an der ihn respectvoll erwartenden Dienerschaft vorüber in sein Wohngemach, woselbst er sich auf einen Divan warf. »Wie viel Uhr ist’s, Mühlfels?« fragte er.
»Eilf Uhr vorüber.«
»So haben wir ja noch mehr denn eine Stunde vor uns! — Kleide mich aus, Henry,« herrschte er dem auf seine Befehle harrenden vertrauten Kammerdiener zu, indem er demselben die Füße hinstreckte.