Henry unterzog sich dem Befehl mit der an ihm bewährten Eile und Geschicklichkeit, und nach wenigen Augenblicken befand sich der Prinz in einer behaglichen Morgentoilette.
»Rasch, Henry, ein Bad, aber heute ein würziges Kräuterbad, wie sonst!« befahl darauf der Prinz, und der Diener, der, in das Leben seines fürstlichen Herrn des genauesten eingeweiht, ein solches bereits hatte vorbereiten lassen, entgegnete, daß dasselbe zu der Hoheit Befehl stände.
»Das ist gut. So geh’ und erwarte mich!« befahl der Prinz und Henry entfernte sich. »Eine verteufelt hübsche Nacht, die wir bei der kleinen Zelia zugebracht haben,« fuhr der Prinz in der Erinnerung des Verlebten fort. »Das Dämchen ist allerliebst und ihre Freundinnen stehen ihr wenig darin nach. Ich denke, Mühlfels, Sie pflichten mir darin bei?«
»Gewiß, Hoheit. Sie besitzt eben so viel körperliche Reize, als die angenehmste Weise, dieselben geltend zu machen,« entgegnete dieser vertraulich und entgegen kommend.
»Sie würden Zelia noch mehr preisen, kennten Sie sie so genau wie ich,« fiel der Prinz lachend ein und fügte dann mit einem cynischen Blick auf den Major hinzu: »Doch ich denke, Sie sind durch die anderen Mädchen für diese Unkenntniß entschädigt worden. Es war eine köstliche Nacht, und ich habe mich schon lange nicht so vortrefflich amüsirt wie dieses Mal. Man muß es Ihnen lassen, Mühlfels, Sie verstehen sich magnifique auf diese Dinge und Ihre Erfindungsgabe verdient alle Anerkennung. Sie wissen überall ’was Subtiles aufzutreiben, so daß immer ein neues Amusement da ist und man keine Langeweile spürt. — — A propos!« fragte er sich besinnend, »wie viel habe ich verloren?«
»Dieses Mal ziemlich viel. Fünfhundert Ducaten an Zelia und fast eben so viel an die anderen Damen und Herren,« entgegnete Mühlfels.
»Bagatelle!« rief der Prinz und fügte hinzu: »Ich dachte, es wäre mehr. Lassen Sie sich das Geld von meinem Schatzmeister geben und händigen Sie es den Leuten ein. Ich denke, meine Kasse wird nicht erschöpft sein. Ich werde selbst mit Tendler — dem Schatzmeister — sprechen. — Doch da fällt mir ein, daß ich der Zelia einen Halsschmuck und Bracelets versprochen habe; ich bin ihr eine Erkenntlichkeit schuldig; sagen Sie meinem Juwelier gelegentlich, daß er für die Spielerei sorgt und sie mir in den nächsten Tagen bringt. Ich will Zelia das Geschenk selbst einhändigen. Nun aber in das Bad, um meinen Gliedern wieder Spannkraft zu geben, denn ich fühle mich doch ein wenig angegriffen. Werfen Sie sich unterdessen in die Staatsuniform, denn wir müssen ja der langweiligen Empfangs-Ceremonie beiwohnen und dabei ein gutes Aussehen haben. Sind Sie angekleidet, so kommen Sie wieder zu mir, damit ich Sie bei der Hand habe.«
Mit diesen Worten erhob er sich, schlug den Schlafrock fester um seine Glieder und begab sich in das Bad, das seine erschöpften Kräfte wieder stärken sollte.
Trotz der schlaffen Haltung, des bleichen, überwachten Antlitzes und der matten, eingefallenen Augen war des Prinzen Erscheinung dennoch keine unangenehme, da sich seine körperlichen Vorzüge selbst noch unter den angegebenen Umständen geltend machten. Er besaß eine hohe, stattliche, schön gebildete Gestalt, ein nicht minder schön geformtes Antlitz, dem neben dem sinnlichen ein gewisser gutmüthiger Ausdruck nicht mangelte, der sich auch in seinen blauen Augen widerspiegelte und Vertrauen erweckte. Dieses Vertrauen wurde auch in der That nicht getäuscht; denn der Prinz war eben so gütig, als leichtsinnig und verschwenderisch, und der Bittende konnte Alles von ihm verlangen, sobald er seine Schwächen zu benutzen verstand.
Dagegen konnte der Prinz eben so rauh und jähzornig werden, sobald man seinen Neigungen und Verirrungen entgegen trat; ebenso übte seine Stimmung einen großen Einfluß auf ihn aus und man mußte sich hüten, ihn in solchen Augenblicken irgendwie zu reizen, wozu oft schon ein nicht gut gewähltes Wort hinreichte.