»Verlange an dem heutigen Tage kein Wort von mir. Segne Dich der Ewige mit Geduld, Muth und Kraft, und möge er bald, bald Dein Leid enden!«

Mit diesen Worten schloß sie die Prinzessin auf’s Neue in die Arme.

»Ich danke Dir, Aurelie, ich danke Dir aus vollem, innigem Herzen für Deine Liebe und Freundschaft, die mein Trost und meine Stütze in meinem Kummer sind. Wie hätte ich ohne sie die mir aufgebürdete Last ertragen, alles das entbehren können, was das Glück meines Lebens ausmacht?! O, bewahre mir Deine Liebe, ohne sie könnte ich nicht leben! Verlaß mich nicht, meine Aurelie!«

»Wie könnte ich Dich verlassen, verlassen in Deinem Leid? Fürchte das nicht; denn ich will bei Dir ausharren alle Zeit und so lange es Dir gefällt!« fiel Aurelie in dem herzlichsten Ton ein.

»O Du Gute, wie soll ich Dir für Deine seltene Hingabe danken! Doch Du kennst ja die Empfindungen meines Herzens, wozu also der Versicherungen!« entgegnete Sidonie. »Ich kenne sie, meine theure Sidonie, und weiß nur zu wohl, wie innig unsere Herzen verkettet sind,« bemerkte Aurelie und fuhr alsdann fort: »O, ich würde ganz glücklich sein, wollte der Himmel auch endlich Deinem Herzen Frieden und Glück verleihen!«

Die Prinzessin schüttelte traurig das Haupt und entgegnete seufzend:

»Du weißt, ich habe jede Hoffnung darauf begraben; laß’ uns darum nicht mehr des Unmöglichen gedenken, es kann unsern Kummer nur vermehren. Ich will mein Leid so lange tragen, als ich es vermag, des Weiteren mag Gott walten! Hilf- und machtlos, wie ich dastehe, kann er nur helfen.«

Stumm drückten sich die Freundinnen die Hände.

Nach kurzer Pause fragte Sidonie:

»Ist der Prinz gestern nach Hause gekommen?«